Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272977
nach Florenz. 
Uelaergang 
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Diesem Drange zu genügen, begab sich, wie man annimmt, der 
einundzwanzigjahrige Künstler im Herbst desselben Jahres nach Florenz. 
Doch kann es keinem Zweifel unterliegen, dass er viel früher, wahr- 
scheinlich schon 1502, wenn auch nur vorübergehend, das reiche Kunst- 
leben der Arnostadt aus eigener Anschauung kennen gelernt hat. War 
doch 1502 auch sein Meister Perugino wieder in Florenz, wo er seine 
Werkstatt besass, und fehlt es nicht an Beweisen, dass beide Künstler 
ferner in "nahem Verkehr mit einander blieben, Welche Stadt hätte 
Rafael mehr anziehen können, als diese Wiege der Kunst, vor allem der 
Malerei, von deren Ruhm die Welt erfüllt war bis in die fernsten 
Thäler des stillen Ümbriens, von deren berühmten Meistern Perugino 
aus eigner Anschauung zu berichten wusste, und die selbst schon in 
der Reimchronik seines Vaters Giovanni Santi bewundernde Erwähnung 
gefunden hatten, An Empfehlungen konnte es dem jungen Meister 
nicht mangeln, wenn auch der von Bottari veröffentlichte Brief, welchen 
die Schwester des Herzogs von Urbino, Johanna di Rovere, ihm an 
Pietro Soderini, den Gonfaloniere von Florenz mitgegeben haben soll, 
ohne Zweifel auf blosser Erfindung beruht. Die beste Empfehlung 
brachte Rafael selbst in seiner eignen, von der Natur so reich begabten 
Persönlichkeit mit. 
Grade damals war Florenz bewegt von dem Wettstreit Lionardds 
und Michelangelds in den Arbeiten für den Saal des Palazzo Vecchio. 
Jene beiden Kartone, welche die ganze florentinische Welt in Auf- 
regung versetzen sollten, entstanden grade damals. Mit welch' ge- 
spanntem Interesse mag Rafael diese bewunderten Schöpfungen be- 
trachtet haben! Aber auch die ganze Vergangenheit der {lorentinischen 
Kunst von den zahlreichen Fresken Giotto's und seiner Schule bis zu 
den Arbeiten eines Ghirlandajo trat mit überwältigender Fülle vor ihn 
hin. Vor Allem waren es die bahnbrechenden Schöpfungen Masaccids in 
der Cappella Brancacci, welche seine Bewunderung erregten. Vor diesen 
ersten grossen Manifestationen des fiorentinischen Lebensgefühls ging 
ihm eine neue Welt, ein tieferes Verständniss der Natur auf. Wie er 
diese Werke in sich aufgenommen, davon hat er später in seinen 
vatikanischen Fresken dankbares Zeugniss abgelegt. 
Unter den lebenden Künstlern wird er besonders Lionardo, der 
damals auf der Höhe seines Ruhms stand, sich verehrungsvoll zugeneigt 
haben." War doch sein Meister Perugino mit dem Schöpfer des Abend- 
mahls in derselben Schule herangewachsen; hatte doch sein Vater in 
der Reimchronik diese beiden als die vorzüglichsten Maler damaliger
        

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