Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272885
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B u eh  
Kapitel. 
Rafa ePs Jugend. 
steht eine jugendliche Gestalt, während ihr Gegenüber auf dem Ent- 
wurf noch fehlt. Nur der h. Augustinus, der gleich der Madonna 
ebenfalls eine Krone halt, ist in seine geistlichen Gewänder gehüllt, 
die übrigen Figuren dagegen sind als Modellstudien im knappen Zeit- 
kostüm gezeichnet. Erhebt sich dies Alles nicht über das Niveau der 
in der umbrischen Schule hergebrachten Motive von Ausdruck und Be- 
wegung, so überrascht dagegen die originale Frische und Keckheit 
in der schlanken, fein bewegten Gestalt des h. Nicolaus und seines 
Widersachers. Hier durchbricht der Genius Bafaelis glänzend die 
Schranken der Tradition. Noch ein drittes Bild führte er damals für 
S. Domenico aus, Christus am Kreuz, unter welchem man Maria und 
Johannes stehend, Magdalena und Hieronymus knieend sieht, jetzt bei 
Lord Ward in London. Zwei schwebende Engel halten Kelche, um 
das aus den Wunden fliessende Blut aufzufangen. Eine stimmungs- 
volle, ächt umbrische Landschaft bildet den Hintergrund. Auch hier 
bewegt sich der jugendliche Künstler noch in den Bahnen Peruginols, 
aber er durchdringt Alles mit tieferer Empfindung, erfüllt die Gestalten 
mit feiner betonter Bewegung. 
Schon damals muss der Ruf des jungen Künstlers also über die 
Mauern von Perugia hinausgedrungen sein, und die Zeitgenossen mögen 
in seinen Arbeiten, so sehr das allgemeine Schulgut darin verwaltete 
und sein Eigenstes noch zurücktrat, doch etwas den übrigen Werken 
seiner Mitschüler Ueberlegenes erkannt haben. Die Anmuth seiner 
Persönlichkeit, das Gepräge von angeborenem Adel, das die feine Ge- 
stalt auszeichnete und aus den seelenvollen Augen hervorleuchtete, 
trug dazu bei, ihn rasch beliebt zu machen. Bei seinem Aufenthalt 
in der Heimath hat er sicherlich nicht verfehlt, sich seinem Landes- 
herren vorzustellen. Die Folge war ein Auftrag des Herzogs Guido- 
baldo, ein kleines Andachtsbild auszuführen, das jetzt im Besitz des 
Herrn Fuller Maitland, in Stanstead, Essex,  sogar in einem 
zweiten Exemplar vorhanden ist. Es stellt in genauem Anschluss an 
eine Composition Peruginds, nur mit geringen Ümänderungen, Christus 
am Oelberge betend dar. Sowohl die Gestalt Christi und die drei 
schlafenden Jünger, wie die im Hintergrund erscheinenden Soldaten 
sind noch ganz in den traditionellen Formen der umbrischen Schule 
befangen. Zwei ähnlich kleine Bildchen, die Taufe Christi und die 
Auferstehung in der Pinakothek zu München, dort ebenfalls Rafael 
zugeschrieben, sind dagegen mittelmassiges Schulgut, ziemlich schwach 
in der Zeichnung und bunt in der Färbung. 
        

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