Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272863
218 
Buch. 
Kapitel. 
RafaePs 
Jugend. 
des Segnens emporhält, während die Mutter liebevoll auf den Kleinen 
niederblickt. In den Ecken sieht man den betenden Hieronymus im 
langen Bart und den h. Franciscus mit einer den Ümbriern geläufigen 
Handbewegung, in welcher sich lebhafte Theilnahme oder Erstaunen 
ausdrückt. Die Studie zu diesem Bilde (die ich nicht für eine Arbeit 
Perugino's halte) besitzt die Albertina (Br. 134), doch mit dem Unter- 
schiede, dass das Kind dort in den Händen ein Spruchband hält, in 
welchem es zu lesen sucht. Das dritte dieser kleinen Bildchen, kürz- 
lich aus Casa Connestabile in Perugia nach Petersburg in den Besitz 
der Kaiserin von Russland übergegangen, ist ein Rundbild und zeigt 
die Madonna in heiterer Frühlingslandschaft stehend, das Kind auf den 
Armen, welches eifrig in dem Grebetbuch, das die Mutter in der Rechten 
hält, blättert. In diesen drei Bildern ist ein stufenweises Fortschreiten 
zu freierer Bewegung und höherer Anmuth zu erkennen. Eine weitere 
Variation desselben Thema's ist das kleine Bild bei der Gräfin Alfani 
in Perugia. Wie er dies einfache Thema immer neu zu wenden 
wusste, bezeugen unter manchen andren Blättern zwei Zeichnungen 
im Brit. Museum (Br. 86) und im StädePschen Institut zu Frankfurt 
(Fig. 45), welche die Madonna in ganzer Figur sitzend mit dem 
Kinde auf dem Schooss darstellen. Auf dem erstgenannten Blatt hält 
der Kleine sich mit der Rechten an dem Mantel der Mutter, die ihrer- 
seits ihn sorglich an der linken Schulter und dem rechten Beinchen 
fasst; auf dem Frankfurter Blatt ist es überaus anziehend, wie die 
Mutter die rechte Hand ihres Lieblings führt, um in kindlichem Spiel 
ihn die Bewegung des Segnens zu lehren. In beiden Blättern sind 
die geknufften, rundlich auslaufenden Falten bezeichnend für die auf 
Perugino zurückgehende Manier der Gewandbehandhlng. 
Wie, Rafael schon damals aus der Schaar seiner Mitstrebenden 
durch hohe Begabung und wohl auch durch den ihm sein lebenlang 
eigenen Zauber persönlicher Liebenswürdigkeit hervorragte, erkennen 
wir aus dem Umstande, dass ihm in so zartem Alter mehrere ansehn- 
liche Aufträge zu Theil wurden. Vielleicht war er selbst auf einem 
Ausliuge, wie Vasari andeutet, in der kleinen Stadt Citta di Ca- 
stello anwesend, als er dort die ersten Bestellungen erhielt, welche 
sich bestimmt nachweisen lassen. Für S. Trinita malte er eine Pro- 
zessionsfahne, auf der vorderen Seite die Dreifaltigkeit in der herkömm- 
lichen Weise, dass Gottvater den am Kreuze ausgestreckten Sohn mit 
beiden Händen hält, zwischen ihnen die Taube des h. Geistes, darunter 
die h. Rochus und Sebastian, auf der Rückseite die Erschaffung der
        

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