Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270633
Buch. 
K u p 
Kultur 
H 00h 
renaissunce. 
durch ihre unmittelbare Anlehnung an klassische Vorbilder und durch 
die Aufnahme der lateinischen Sprache, in der man das Ausdrucks- 
mitteP für alles Höhere verehrte, einen einseitig gelehrten Zuschnitt 
erhalten hatte, gegen welchen sich freilich Einzelne, wie Lorenzo de, 
Medici zu Gunsten der Vulgärsprache und eines populareren Inhalts 
auflehnten, so entwickelt sich bald nach dem Beginn des 16. Jahr- 
hunderts eine nationale Literatur von eigenthümlicher Mannigfaltigkeit 
und Üeppigkeit. Von der Lyrik mit den Tausenden von Sonetten 
und Madrigalen ist am Wenigsten zu sagen, da in diesen eng begranzten 
Gattungen die Versuchung zu gezierter und geschraubter Ausdrucks- 
weise zu nahe lag. Und doch ist hier schon die Meisterschaft in 
Beherrschung der Form hewundernswerth und beweist am besten, dass 
das formale Talent in den Italienern eine allen andern Nationen hoch 
überlegene Ausbildung erlangt hatte. Auch fehlte es nicht an einzelnen 
Dichtern, welchen, wie Serafino d'Aquila manches einfach Schöne im 
ächten Ton des Volkslieds gelang. 
Zu diesen Ausnahmen darf man auch Vittoria Colonna und 
Michelangelo zählen. Hier ist wahre Empfindung, tief gesättigter 
Gedankengehalt, Adel der Seele und kräftiger Wohllaut des Ausdrucks. 
Für Vittoria wurde der frühe Verlust ihres ritterlichen Gemahls, 
Ferrante d'Avalos, Marchese von Pescara, der Quell der Dichtung. Ein 
achter Schmerz giebt ihr jene clegisehen Klagen ein, die so ergreifend 
aus ihren Versen uns entgegentönen. Immer mehr wendet sie sich 
dann einer fast ascetischen Stimmung zu, die nur im Anschluss an 
das ewige Heil den Frieden findet. Einen ähnlichen Entwicklungsgang 
wie die von ihm innig geliebte Frau nimmt die verwandte Gemüths- 
stimmung Michelangelds. Wie weiss er in seinen früheren Gedichten 
das Sehnen einer unerfüllt gebliebenen reinen Liebe zu schildern! Wir 
citiren nach der Üehersetzung von Sophie Hasenclcver: 
"Was treibt mich mit Gewalt zu deinen Füssen; 
O weh mir Armen, wehe! 
Da Bande nicht den freien Leih umwinden, 
Kannst ohne Ketten du in Ketten schliessen, 
Kannst ohne Hände du und Arme binden, 
Wo wen? ich Schutz vor deinem Antlitz finden?" 
wer wird nicht ergriifen 
in dem schönen Sonett: 
Und 
Hin gebung 
VOD 
dem 
Ausdruck 
glühender 
Was ist es, das die Seele mir entzündet? 
Ahn' ich der Gottheit Glanz, die Strahlen 
krönen,
        

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