Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272749
206 
Buch. 
Kapitel. 
übrigen Florentinel". 
alten Kaufhalle und am Palazzo del Podesta zu malen, ebenso wie 
früher Andrea del Castagno den nämlichen Auftrag erhalten hatte. 
Diese Fresken sind indess früh untergegangen, und nur die mit Roth- 
stift entworfenen Originalskizzen befinden sich in der Sammlung der 
Üffizien. Trotz der unverkennbaren Elastizität, mit Welcher Andrea 
seinem künstlerischen Berufe lebte, müssen doch die schweren Zeiten 
der Belagerung und der Einnahme von Florenz auch auf ihn gedrückt 
haben, um so empfindlicher vielleicht, da er sich sagen musste, dass 
er durch eigene Schuld seine glänzende Stellung in Frankreich ver- 
scherzt hatte. Hungersnoth und Seuchen wütheten in der Stadt, und 
als nach der Üebergabe das Belagerungsheer eindrang, brachte es die 
Pest mit. Andrea wurde von der Krankheit ergriffen, der er um so 
Weniger widerstehen konnte, als sein Körper während der schlimmen 
Zeiten der Belagerung durch Entbehrung geschwächt War. Die Frau, 
der er die Ruhe und das Glück seines Lebens geopfert hatte, blieb 
ihm aus Furcht vor der Seuche möglichst fern, und so starb er fast 
unbeachtet, kaum dreiundirierzigjährig am 22. Januar 1531. Ohne 
Gepränge wurde er still in der Annunziata, die er mit so köstlichen 
Werken verherrlicht hatte, beerdigt. 
Die Hotte Leichtigkeit einer im Fresko wie im Oel gleich vir- 
tuosenhaften Behandlung, welche schon die späteren Arbeiten Andrea's 
bisweilen etwas leer erscheinen liess, immer aber noch durch seine 
grosse Lebendigkeit auf der Höhe künstlerischer Empündung gehalten 
wurde, konnte nicht verfehlen, auf seine Schüler und Nachahmer einen 
verhängnissvollen Einfluss zu üben. Es begann eine Schnellmalerei, 
bei welcher nur zu bald Ernst der Auffassung, Strenge der Zeichnung, 
Gediegenheit der Durchbildung sich verflüchtigten. Aber selbst das 
Kolorit verlor bald Kraft, Glanz und Harmonie und machte einer 
schillernd unruhigen, bunten, unerfreulichen Flauheit der Töne Platz. 
Der Manierismus zog unaufhaltsam herein. 
Wir verzichten darauf, die Krankheitsgeschichte der absterbenden 
Kunst zu schreiben, und heben von den Schülern und Nachfolgern 
Andrea's, unter welchen Vasari mehr Wegen seiner hochverdienstlichen 
Künstlerbiographien als wegen seiner Gemälde einen Platz verdient, 
nur Jacopo Carucci oder da Pontown-o (auch Puntormo) hervor, wie 
er nach seinem Geburtsorte genannt wird. In diesem kleinen Flecken, 
auf der Strasse von Florenz nach Pisa gelegen, wurde Jacopo im 
Jahre 1493 geboren, und da seine Eltern früh starben, wurde er von 
der Grossmutter in seinem dreizehnten Jahre nach Florenz gebracht,
        

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