Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272698
Andrea 
Sarto. 
Werke. 
Spätere 
203 
Üebermalung gelitten hat. Die trePfliche Oelstudie zum h. Joseph 
dieses Bildes befindet sich in der Pinakothek zu München, geistreich 
und breit auf Papier gemalt, im Charakter an Fra Bartolommeo er- 
innernd. Wie lebensvoll der Meister auch in den letzten Jahren immer 
noch zu componiren, und wie köstlich er zu malen verstand, bezeugte 
ehemals die grossartige Tafel des Museums zu Berlin, welche die 
thronende Gottesmutter in einer Nische auf Wolken schwebend und 
von Engeln getragen, umgeben von den verehrenden Heiligen Petrus 
und Benediktus, Markus und Antonius von Padua enthält. Die beiden 
knieenden Gestalten des nackten, greisen Einsiedlers Onofrius und der 
ganz in sich versunkenen Katharina von Alexandrien, diese wieder mit 
den Zügen der Lucrezia del Fede, bilden den Abschluss der herrlich 
bewegten Gruppen. Ganz im Vordergrund an den Stufen des Thrones 
erblickt man die Halbiiguren des jugendlichen h. Celsus und der mit 
dem strahlend schönen Antlitz sich gegen den Beschauer wendenden 
Julia. Dies Meisterwerk, mit der Jahrzahl 1528 bezeichnet, ist vor 
nicht langer Zeit durch Verputzen gänzlich ruinirt worden. Die dazu 
gehörige Lünette mit einer Darstellung der Verkündigung, gleich dem 
Hauptbilde im Auftrage Giuliands della Scala für die Kirche der 
Annunziata gemalt, jetzt in der Galerie Pitti unter Nr. 163, ist durch 
Uebermalung ihrer Harmonie beraubt worden. Aus demselben Jahre 
1528 stammt das für das Kloster Vallombrosa gemalte Bild, welches 
man in der Sammlung der Akademie (Saal d. gr. Gemälde Nr. 59) 
sieht. Es stellt vier Heilige dar, mächtige Typen von grossartiger 
Lebensfülle, das Kolorit von wunderbarer Pracht bei klarem Helldunkel 
und weichem Schmelz der Töne. Eine andre nicht minder grossartige 
Gruppe von vier Heiligen, über welchen ein köstlicher Chor jubilirender 
Engelknaben schwebt, sieht man in einem Blatte des Brit. Museum 
(Br. 34), in höchst energischer Plastik mit dem Pinsel in Bister aus- 
geführt. Noch einmal malte Andrea 1529 eine Verklärung der Ma- 
donna mit vier Heiligen, jetzt in der Galerie Pitti unter Nr. 123. 
Die beiden mittleren Figuren, S. Fidelis und Katharina, Sind knieend 
dargestellt und blicken nach dem Beschauer. Dies hier doppelt auf- 
tretende Motiv prägt der Composition einen gar zu äusserlichen Cha- 
rakter auf. Das Bild War beim Tode des Meisters noch unvollendet 
und wurde später dem Vincenzo Bonilli übergeben, dem die Ausführung 
der unteren Partie angehört. Die von Andrea selbst gemalte Madonna 
ist von innigem Ausdruck und verleugnet nicht die Feinheit seines 
klaren, duftigen Kolorits. Weit schöner ist indess in derselben Galerie
        

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