Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272657
Andrea del Sarto. 
Fresk en. 
Spätere 
199 
entspricht rechts die ausdrucksvolle herrlich drapirte Gestalt eines Zu- 
schauers, der mit der Geberde besorgnissvollen Nachdenkens, das Kinn 
in die Hand stützend, dieser Tragödie beiwohnt. Auch die Erscheinung 
des Engels vor dem opfernden Zacharias ist von ergreifender Lebendig- 
keit. Wie ehrfurchtsvoll betritt der göttliche Bote das Heiligthum! 
wie voll Scheu am Fusse des Altares fast versteinert steht die wunder- 
volle Manteltigur des Priesters! wie markig im Stil der grossen freien 
Kunst sind die wenigen Zuschauer gezeichnet! Wahrlich, vor diesen 
Werken begreift man das Wort Michelangelds, der einmal mit Hin- 
blick auf Andrea boshaft zu Rafael gesagt haben soll: „Ich Weiss in 
Florenz ein Bürschlein, das dich waidlich schwitzen machen sollte, 
würden ihm einmal grosse Aufgaben zu Theilla In der That, nur 
mit Rafael kann man diese vollendeten Schöpfungen vergleichen.  
Im folgenden Jahre 1524 beschloss Andrea den Cyklus durch die 
lebensvolle Geburt des Taufers, in welcher er den reichen Apparat, 
den die florentiner Künstler auf solche Wochenstubenscenen zu ver- 
wenden pdegten, auf das Nothwendigste beschränkt, dies aber in voll- 
endeter Lebenswahrheit und Schönheit giebt. Zu der überaus prag- 
nanten Gestalt des am Lager sitzenden und den Namen des Kindes 
aufschreibenden Zacharias sieht man im Louvre (Br. 120) die geniale 
Kohlenzeichnilng. Den Schluss des Cyklus bildet sodann die Heim- 
suchung, die an einfacher Gewalt des Ausdrucks sowie an freier 
künstlerischer Beherrschung der Darstellungsmittel wieder zum Besten 
der Reihenfolge gehört. Ganz neu und eigenthümlich ist die mit Staunen 
gemischte Herzlichkeit, mit welcher die altere Frau die gesegnete 
jüngere Freundin tief ausholend betrachtet. 
Um den Meister nach dieser Seite seiner Thatigkeit im Zusam- 
menhange zu würdigen, fügen wir seine übrigen Freskobilder hier an. 
Schon 1521 hatte er in der mediceischen Villa Poggio a Caj ano den 
Empfang der Tribute durch Cäsar gemalt, eine Darstellung von glan- 
zender Pracht und festlicher Heiterkeit, bei grossem Geschick in der 
Anordnung und der koloristischen Durchführung. Für das Noviziat 
des Klosters der Serviten (Annunziata) malte er eine Pieta, jetzt in 
der Sammlung der Akademie (S. d. gr. Gem. 61); ein Werk von 
ergreifendem Ausdruck und an Rafael erinnernder Schönheit, fein und 
klar im Ton. Ebendort sieht man ein in Terra verde leicht hinge- 
worfenes Fresko mit köstlichen Scenen der Mildthätigkeit, von einer 
Heiligen in einem Spital ausgeübt. Für dasselbe Kloster malte er 
auch an einer Mauer des Küchengartens zwei Fresken aus der Parabel
        

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