Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272649
Ausstattung geschaffener Werke. Ungefähr um dieselbe Zeit malte 
Andrea, in der Hoffnung sich bei Franz I. wieder in Gunst setzen zu 
können, eine von Vasari hochgerühmte Opferung Isaaks, die man in 
dem geistreich, wenn auch etwas flüchtig gemalten Bilde der Galerie 
zu Dresden vermuthen darf. Eine eigenhändige Wiederholung besitzt 
das Museum zu Madrid. Aus derselben Zeit stammt das herrliche 
oben bereits erwähnte Bild Johannes des Täufers in der Galerie Pitti, 
voll Ausdruck und von hoher koloristischer Vollendung. 
Nach einer längeren durch den Aufenthalt in Frankreich veran- 
lassten Unterbrechung kehrte Andrea nun auch zu den Arbeiten im 
Scalzo zurück. Er malte 1520 die trefflichen Gestalten des Glaubens 
und der Liebe, namentlich letztere von freier Schönheit, sodann bis 
zum August 1523 die allegorische Figur der Hoffnung und noch vier 
Bilder aus dem Leben des Täufers, den Tanz der Salome, die Ent- 
hauptung, die Ueberbringung des Hauptes und die Erscheinung des 
Engels bei Zacharias. Auch hier giebt er überall in wenigen Gestalten 
das Nothwendige, dies aber voll Leben, Nachdruck und Schönheit. 
Besonders grossartig in gewaltiger Dramatik ist die Enthauptung 
des Täufers geschildert, wo die nervige Gestalt des Henkers spreiz- 
beinig neben dem eben zusammenbrechenden Leichnam steht, dem 
Beschauer den Rücken zukehrend, und mit der Linken das Haupt des 
Täufers der mit einer Begleiterin dabei stehenden Salome überreichend, 
während auf der andern Seite der die Exekution Befehligende, von 
einem Begleiter gefolgt, gebietend den Kommandostab erhebt. In allen 
diesen Bildern hat der Geist Masaccids den Künstler inspirirt. Der 
Tanz der Salome vor dem am Tische in brütendem Nachdenken sitzen- 
den Herodes ist ruhiger dargestellt als man erwarten sollte. Andrea 
hatte wohl beobachtet, wie wenig allen seinen Vorgängern die Figur 
der Tänzerin gelungen war; so zeigt er uns das üppige Weib, wie 
sie eben, anmuthig vortretend, sich zum Tanze anschickt, und durch 
diese Mässigung erreicht er einen viel höheren Reiz. Prachtvoll dra- 
pirte Nebenfiguren erhöhen auch hier den Eindruck; gegenüber aber 
zur Rechten sieht man die kecke im Zeitkostüm prägnant charakteri- 
sirte Gestalt eines Trabanten und neben ihm eine herrliche Mantelfigur, 
zu Welcher die Studie im Louvre (Br. 121). Nicht minder einfach und 
dabei hochdramatisch die Ueberbringung des Hauptes; meisterlich 
charakterisirt ist der düster misstrauisch dasitzende Tyrann und ihm 
gegenüber am Tische in frappantem Gegensatz die frohlockende He- 
rodias; der von links mit dem Haupt des Taufers nahenden Salome
        

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