Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272626
196 
Buch. 
Kapitel. 
übrigen 
Florentiner. 
ihn, sondern alle gleichzeitigen Künstler mit alleiniger Ausnahme der 
Venezianer. In dieser Hinsicht tritt er die Erbschaft Lionardds an 
und führt Das zur höchsten Vollendung, was dieser durch Lehre und 
Beispiel für die malerische Behandlung als Ziel hingestellt hatte. Da- 
bei ist freilich anstatt der tief religiösen Empfindung Fra Bartolommeds 
eine mehr offene Weltliche Anmuth und sinnliche Schönheit seinen Ge- 
stalten eigen, und nicht selten macht sich sogar eine gewisse Gleich- 
gültigkeit des Ausdrucks bemerklich. Besonders aber verräth das gar 
zu häufig wiederkehrende Motiv der aus dem Bilde herausblickenden, 
sich mit ihrer selbstbewussten Schönheit kokett an den Beschauer 
wendenden Figuren, einen Mangel an Ernst und Innerlichkeit, der 
dann sehr bald bei den Nachfolgern zu völlig manieristischer Ver- 
äusserlichung entartete. 
Zu den Bildern, Welche Andrea in Frankreich ausgeführt hat, 
gehört in erster Linie die Caritas im Louvre, die den Namen des 
Meisters und die Jahrzahl 1518 trägt. (Fig. 41.) Der streng pyra- 
midale Aufbau, die kühnen Bewegungen und Verkürzungen, sowie die 
fast herbe Grossartigkeit der Formen bezeugen, dass der geschmeidige 
Künstler sich hier, um dem kunstliebenden König durch Grösse des 
Stils zu imponiren, mehr als sonst in die Botmassigkeit Michelangelds 
begeben hat. Ohne Zweifel verband sich aber damit der feinste Reiz 
seines Kolorits, das freilich durch Verputzen gelitten hat und jetzt 
durch das kalte Blau in den Schatten des Fleisches die Harmonie ver- 
missen lässt. Die ganze Schönheit seiner Farbengebung verrath da- 
gegen die ebenfalls aus der Sammlung Franz I. stammende h. Familie 
derselben Galerie. Die Madonna und die h. Elisabeth sind mit ihren 
beiden Kindern zu einer schönensGruppe vereinigt, die wohl etwas 
gedrängt, aber reich an herrlichen Motiven ist und durch den duftigen 
Schmelz des Kolorits die volle Meisterschaft des Künstlers bekundet. 
Eine tüchtige alte Kopie dieses Bildes besitzt das Belvedere zu Wien 
(IV, 3) , eine kaum minder werthvolle die Pinakothek zu München, 
unter Nr. 548. 
i" In die erste Zeit seiner Rückkehr aus Frankreich fallen mehrere 
seiner schönsten Bilder, so die schöne Halbtigur Johannes d. T, welche 
er in der Hoffnung malte, mit derselben die Gunst des Königs Franz 
wieder zu erlangen, die aber in den Besitz Ottaviands de' Medici über- 
ging und jetzt sich in der Galerie Pitti unter Nr. 265 befindet. Sodann 
vor Allem die köstliche, ursprünglich für Ottaviano de" Medici gemalte 
h. Familie, welche man unter Nr. 81 in derselben Sammlung sieht.
        

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