Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272601
194 
Buch. 
Kapitel. 
übrigen 
Florentiner. 
beiden köstlichen Studienköpfen des Louvre (Br. 134, 135) sich aus- 
spricht, beherrschte sie den schwachen und gutherzigen Künstler völlig, 
und nicht zu seinem Heile. Sie war damals noch mit dem Hutmacher 
Carlo Recanati verheirathet, nach dessen Tode sie Andrea's Gattin 
wurde. Es scheint, dass sie durch anspruchsvollen Aufwand den Künstler 
um so mehr in Verlegenheit brachte, als dieser bei seinem schüchternen, 
bescheidenen Wesen für seine Arbeiten nur geringen Lohn zu erhalten 
vermochte und seine herrlichsten Schöpfungen meist um sehr dürftige 
Honorare ausführte. Dass er trotzdem fast immer mit voller Anspan- 
nung sein Bestes gab und mit Ausnahme seiner letzten Zeit, wo bisweilen 
eine flüchtigere Behandlung sich bemerklich macht, wahre Meisterwerke 
schuf, ist ein Beweis von seinem ächt künstlerischen Naturell. Wie 
sehr auch die leidenschaftliche Liebe zu der wohl etwas leichtsinnigen 
Frau seine bürgerlichen Verhältnisse gestört hat, auf sein künstlerisches 
Schaffen hatte sie eher einen förderlichen als schädlichen Einfluss. 
Im Jahre 1518 schienen die ausseren Verhältnisse Andrea's einen 
glänzenden Umschwung erfahren zu sollen. König Franz I. hatte einige 
Bilder des Künstlers kennen gelernt und war durch dieselben zu einer 
solchen Bewunderung des Meisters hingerissen, dass er ihn unter glän- 
zenden Bedingungen zu sich berief. Andrea, der in Florenz stets mit 
Noth zu kämpfen hatte, folgte dem Ruf und ging im Mai desselben 
Jahres, mit Reisegeld durch des Königs Agenten reichlich versehen, 
nach Frankreich. Der König empfing ihn in ehrenvollster Weise, be- 
schenkte ihn mit Geld und Kleidern und trug ihm sofort auf, den im 
Februar geborenen Dauphin zu malen. Diese Arbeit errang in so 
hohem Grade den Beifall des Königs, dass er den Künstler, der in 
Florenz für jedes seiner grossen Wandbilder nur 10 Scudi erhalten 
hatte, mit 300 Goldstiicken belohnte. Eine Reihe anderer trefflicher 
Werke schuf der Meister sodann in rascher Folge, und seine Existenz 
bei dem kunstliebenden König schien für alle Zeit gesichert. Aber 
die leidenschaftlichen Briefe Lucrezia's,-welche ihn nach Hause riefen, 
liessen ihm keine Ruhe. Der König bewilligte ihm den für kurze Zeit 
erbetenen Urlaub und vertraute ihm sogar ansehnliche Summen zu 
künstlerischen Ankäufen an. Daheim aber vergass der sträflich leicht- 
sinnige Mann sich soweit, dass er nicht bloss das eigene, sondern auch 
das anvertraute Geld in kurzer Zeit in einem lustigen Leben und in 
einem Hausbau verwendete. Mit Recht zürnte der König so sehr über 
diesen schmahlichen Vertrauensbruch, dass Andrea genöthigt war, sich 
eine Zeitlang verborgen zu halten. Aber schon 1520 durfte er wieder
        

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