Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272520
186 
Buch. 
Kapitel. 
übrigen Florentiner. 
kennt man ebenfalls die zunehmende Sicherheit des Künstlers. Noch 
freier und lebendiger gestaltet sich das dritte Bild, wo der Heilige den 
bösen Geist aus einem Mädchen austreibt. (Fig. 36). Die edle Ruhe 
des Gottesmannes, die Aufregung und Sorge der Angehörigen dieser 
Ünglücklichen, die lebendig abgestufte Theilnahme des Volkes sind 
trefflich ausgesprochen, wenn auch in der Üomposition eine gewisse 
Absichtlichkeit den unbefangenen Eindruck etwas stört. 
Als diese Bilder aufgedeckt wurden, trugen sie dem Künstler so 
viel Anerkennung ein, dass er mit gehobener Zuversicht an die weitere 
Vollendung ging. Er malte im vierten Bilde den Tod des Heiligen 
und die durch die Wunderkraft der Leiche herbeigeführte Erweckung 
eines todten Knaben. In naiver Weise sieht man diesen zwiefach dar- 
gestellt, wie er entseelt am Boden liegt und daneben neu belebt sich 
aufrichtet. Die Composition des Bildes greift auf verwandte Dar- 
stellungen Fra lä"ilippo's und Domenico Ghirlandajds zurück. Man 
sieht vor einer mit schwerer dorischer Architektur eingefassten Nische 
den Heiligen auf einer Bahre ausgestreckt, von theilnehmenden Mön- 
chen und andern Zuschauern umgeben, in welchen sich die Abstufung 
der Empfindungen ergreifend wahr und innig ausspricht. Am schönsten 
in dem alten Ordensbruder, der sich zum Todten herabneigt, um seine 
Hände zu küssen. Vor den Pfeilern der Halle stehen noch einige 
Zuschauer, die in wirksamer Weise die Composition einrahmen, da- 
runter besonders schön zur Rechten ein jüngerer Mann, der still, wie 
in Betrachtung versunken, vor sich niederblickt, nach Vasarfs Zeug- 
niss Girolamo della Robbia, ein Freund des Künstlers. (Die schöne, 
in Rothstift ausgeführte Modellstudie zu dieser edlen Gestalt im Louvre, 
Br. 124.) Andrea hat in dieser einfach edlen Composition die früheren 
Darstellungen ähnlicher Vorgänge auf eine neue höhere Stufe gehoben. 
Kaum minder bedeutend ist das letzte Bild dieser Reihe, die Heilung 
kranker Kinder durch die Gewänder des Heiligen. Man blickt in den 
Chor einer Kirche, wo auf erhöhten Stufen vor dem Altar der Priester 
steht, im Begriff, die Reliquie einem durch eine ältere Frau ihm zu- 
geführten Kinde aufzulegen. Daneben kniet ein schönes, jüngeres 
Weib, welches etwas theilnahmlos aus dem Bilde herausblickt. Schöne 
Gruppen von Frauen mit Kindern und von andächtig zuschauenden 
Männern schliessen sich zu beiden Seiten an, und auch hier bilden zwei 
prächtige Gewandtiguren, von denen die zur Rechten als Luca della 
Robbia bezeichnet wird, das Ganze wirksam ein. Seitwärts nahet der 
alte Andrea della Robbia, gebeugt und auf den Stab gestützt; gegen-
        

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