Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272476
Ghirland aj o. 
Ridolfo 
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spriessen. Der poetische Reiz dieser Darstellung, die Anmuth der 
Madonna und der Engel, die würdige Charakteristik der Apostel be- 
wegt sich mit Glück zwischen Einilüssen Fra Bartolommeds und 
Rafaels, und die glänzende Pracht und blühende Frische des Kolorits 
zeugen von hoher technischer Meisterschaft. Doch sind auch hier 
einzelne Spuren einer gewissen Theilnahmlosigkeit nicht zu verkennen. 
Ünter den Aposteln blickt einer aus dem Bilde heraus, dem der Künstler 
seine eignen Züge geliehen hat. 
In seinen späteren Werken überlässt sich Ridolfo etwas zu sehr 
einer gewissen Gleichgültigkeit und der Mitwirkung seines Gehülfen 
Micchele di Ridolfo. Zu den besseren Werken zählt immer noch eine 
h. Familie in der Galerie Pitti, ferner in der Sammlung der Aka- 
demie die Verlobung der h. Katharina, Saal d. gr. Gemälde Nr. 76, 
und eine Madonna mit vier Heiligen und einem Donator, ebenda Nr. 85. 
Zu diesen späteren Werken gehört auch das Fresko des Abendmahls 
vom Jahre 1543, im Refectorium des Klosters degli Angeli, bei 
welchem Andrea del Sartds Abendmahl im Kloster der Salvi stark 
eingewirkt hat. 
Auch Ridolfo besass so wenig wie die meisten andern Zeit- 
genossen, welche das in solchen Epochen zweifelhafte Glück" hatten, 
zu hohen Jahren zu kommen, die Kraft, dem hereinbrechenden Ma- 
nierismus zu widerstehen. Wir haben kein Interesse, seine späteren, 
unertreulich schwachen Werke zu verzeichnen. Er war übrigens bei 
den Medici hoch angesehen und gehörte zu den Künstlern, deren flotte 
Darstellungsgabe bei den zahlreichen Festen und Aufzügen, welche man 
mit Triumphpforten, Schaugeprangen und Prachtdekorationen aller Art 
zu verherrlichen liebte, herbeigezogen wurden. Bei allen Freuden- 
festen und Trauerfeierlichkeiten des mediceischen Hauses nahm man 
ihn in erster Linie in Anspruch; so beim Hochzeitsfeste Giuliands, 
beim Einzugs Leo's X., bei der Leiohenfeier für Giuliano, bei der 
Hochzeit und der bald darauf folgenden Bestattung Lorenzds, endlich 
noch beim Einzuge Karls V., bei der Hochzeit des Herzogs Cosimo 
und der Taufe des Erbprinzen. Ridolfo lebte in guten bürgerlichen 
Verhältnissen noch in alter Weise als wackerer Hausvater, der seine 
fünfzehn Kinder sorgfältig erzog und dabei doch durch Fleiss und 
Sparsamkeit sein Vermögen zu mehren wusste. Er starb, geehrt Von 
seinen Mitbürgern, hochbetagt im Jahre 1561. 
Endlich gehört noch zu diesen Künstlern von geringerer Selb- 
ständigkeit Francesco Grcmacci, der, 1469 geboren, bis 1543 lebte, aber
        

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