Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272465
180 
III. Buch. 
Kapitel. 
übrigen Florentiner. 
Die 
Einsiedler in S. Jacopo zu Florenz; endlich sieht man im Palast 
Antinori daselbst eine reich bewegte Composition des Ganges nach 
Golgatha, in welcher er die jetzt im Louvre befindliche, von seinem 
Oheim Benedetto herrührende, etwas monotone Darstellung desselben 
Gegenstandes frei umgebildet hat. 
Eine höhere Entwicklung tritt für Ridolfo etwa seit 1504 ein, 
wo die Kartons von Lionardo und Michelangelo und RafaePs Aufent- 
halt neues Leben in die florentinische Kunstentwickluug brachten. 
Dieser Zeit gehört ein schönes Bild der Anbetung des neugebornen 
Christkindes in der Galerie Eszterhazy zu Pest, welches den Namen 
des Künstlers „Ridolfus Grillandajus" tragt, in der Anordnung an 
Lorenzo di Credi erinnert, aber von glänzender Farbenwirkung und 
gediegener Durchbildung. Eine reduzirte Wiederholung desselben 
Thema's im Museum zu Berlin, unter Nr. 91, zeigt ähnliche Vorzüge. 
Rafael hatte den liebenswürdigen Künstler so sehr schätzen ge- 
lernt, dass er ihn bei seiner Ankunft in Rom 1508 dorthin zu berufen 
suchte; dieser jedoch vermochte sich nicht von Florenz zu trennen. 
Dort stieg er zu immer höherer Bedeutung empor und stand bald in 
der Reihe der ersten Maler, durch technische Vollendung, edlen Auf- 
bau und würdevollen Ausdruck der Gestalten mit den Besten wett- 
eifernd. Zu den gediegensten Arbeiten dieser Zeit gehört die in einem 
Halbkreis von Heiligen thronende Madonna in S. Pietro zu Pistoja, 
wo die Anordnung in ihrer feierlichen Gemessenheit ran den oberen 
Theil von Fra Bartolommeds jüngstem Gericht erinnert. Auch ein 
Rundbild der Madonna in den Uffizien Nr. 1224, ist voll Anmuth 
und Innigkeit, edel und reizvoll im Ausdruck und dabei von duftigem, 
tiefem Farbenton. Weniger erfreulich sind-ebendort zwei Bilder mit 
Scenen aus der Legende des h. Zenobius, die Erweckung eines todten 
Kindes und das Wunder bei der Bestattung des Heiligen. Von vor- 
züglicher Gediegenheit und Schönheit des Kolorits, lassen die Com- 
positionen viel zu wünschen, denn die meisten Theilnehmer blicken 
aus dem Bilde heraus und verrathen durch die ausdruckslose Leere 
der Köpfe einen auffallenden Mangel an Interesse, so dass die Wahr- 
heit des Vorganges fast zur blossen Komödie abgeschwächt wird. Da- 
gegen gehört wieder zu den vorzüglichsten Schöpfungen des Meisters 
die grosse „Himmelfahrt lllariä", welche, etwa um 1525 gemalt, jetzt 
im Museum zu Berlin sich befindet. Auf Wolken sieht man die Ma- 
donna von Engeln umschwebt emporgetragen, während die Apostel 
das ofPne Grab umstehen, aus welchem Rosen und Lilien empor-
        

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