Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272433
Bugiardini. 
Giuliano 
177 
Museum von Berlin (Nr. 283), welche mit seinem Namen bezeichnet 
ist, gehört zu seinen tüchtigeren Arbeiten und erinnert namentlich 
durch die Frische und die leuchtende Kraft der Farbe an Mariottof 
aber" die Köpfe haben einen erzwungenen Ausdruck, und auch die 
Üomposition, welche das besonders bei Lorenzo di Credi geläufige 
Motiv des auf dem Boden liegenden und von der Mutter verehrten 
Kindes wiederholt, zeugt nicht von Selbständigkeit. Ein Rundbild der 
h. Familie in der Galerie zu Turin (Nr. 106) ist in verwandtem 
Stilcharakter, aber mit glücklicherem Ausdruck durchgeführt. Ein 
Madonnenbild in den Uffizien (Nr. 213) hat einige Verwandtschaft 
mit demselben, erinnert aber zugleich in dem anmuthigen Motiv der 
das Kind nährenden Mutter an Rafaelische Compositionen. 
Verwandter Art ist eine Verlobung der Katharina in der Pina- 
kothek zu Bologna, nur fällt der Künstler hier in unharmonisch 
grelle Färbung: Auch eine Madonna im Museum zu Leipzig, die 
freilich stark gelitten hat, trägt das Gepräge seiner Kunstweise und 
gleich den Bildern in Bologna und Berlin die abgekürzte Namens- 
bezeichnung Jul. Flo. (Julianus Florentinus). Eins seiner anziehend- 
sten Bilder ist ein Johannes in Sta. Maria delle grazie zu Mailand, 
in der ersten Seitenkapelle rechts, zugleich durch klare harmonische 
Färbung ausgezeichnet. Man liest darauf den vollständigen Namen 
des Künstlers: „Jul. Bugiar. F10." Vasari erzählt, dass Bugiardini 
eine zeitlang in Bologna thätig gewesen sei, wohin er durch einige 
Freunde berufen wurde. Man sieht noch jetzt dort ausser jenem 
Bilde der Pinakothek mehrere Arbeiten von ihm. Eins seiner besten 
Bilder ist das Martyriilm der h. Katharina in der Cappella Ruccellai 
von Sta. Maria novella zu Florenz, dessen überaus bewegte Com- 
position allerdings nach Vasarfs Bericht von Michelangelo stammt. 
Dagegen benutzte er einen Entwurf Fra Bartolommeds zu einer Dar- 
stellung des Raubes der Dina und der Rache der Söhne Jacob's wegen 
der Entführung ihrer Schwester, welche man jetzt im Belvedere zu 
Wien sieht (Erdgeschoss, zweites Zimmer Nr. 2) ein Werk, welches 
freilich durch seine manieristische Entartung von einem raschen Ver- 
fall des Künstlers zeugt. 
Bugiardini scheint als Porträtmaler besonders geschätzt gewesen 
zu sein. Wir wissen, dass nicht bloss der berühmte Geschichtschreiber 
Guicciardini, sondern selbst Michelangelo sich von ihm malen liess, 
Das Porträt des letztern glaubt man im Louvre in dem unter 
N1; 526 aufgestellten Bildniss zu besitzen, welches freilich weder in 
Lübke, Italien. Malerei. II. 12
        

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