Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270596
TIT. 
Buch. 
Kapitel. 
Die 
Hochrenaissance. 
schwindenden Ausnahmen, in dem frischen Farbenreiz, in der würzigen 
Reinheit ihres Duftes keinen Hauch von jener Fiiulniss vcrriith. So 
erwächst uns denn die Aufgabe, den tieferen Gründen dieser Erschei- 
nung nachzuspüren. 
b Gegen Ende des 15. Jahrhunderts war so ziemlich der letzte 
Rest mittelalterlicher Städtefreiheit in Italien verschwunden. Aber 
auch die ansehnliche Zahl kleinerer Gewalthaber, welche sich, nament- 
lich in Oberitalien und der Romagna sowie in Umbrien, Herrschaften 
gebildet hatten, waren zu Gunsten grösserer Territorien mit allen 
Mitteln von List und Gewalt beseitigt worden. Eine der letzten Massen- 
vertilgungen der kleineren Tyrannen wurde durch Cesare Borgia in 
Scene gesetzt, als dieser rücksichtslose Würger seine Condottieri nach 
Sinigaglia lockte und Alle auf einen Schlag erdrosseln licss. So ging 
aus den erbitterten Kämpfen um Macht und Einfluss eine Reihe von 
grösseren Staaten hervor, unter denen Venedig, Mailand, Florenz, 
Neapel und der Kirchenstaat die ersten Rollen spielten. Den letzteren 
in die Reihe der italienischen Staaten einzufügen, war schon seit Six- 
tus IV. die Politik der Päpste. Alexander VI. und sein ruchloscr 
Sohn setzten diese Bestrebungen ausschliesslich in der Absicht fort, 
die Familie Borgia zu erhöhen, und kein Mittel, weder Gift noch 
Dolch, Verrath und Üeberfall jeder Art wurde von dem Oherhirten 
der Christenheit verschmäht, dieses schmachvolle Ziel zu erreichen. 
Als dann der energische Julius H. den pitpstlichen Stuhl bestieg, 
nahm er die Politik der Borgia auf, bebte ebenfalls vor keiner Ver- 
rätherei und Gewaltthat zurück, hatte aber wenigstens die Entschul- 
digung, nicht dem schnöden Privatinteresse einer Familie, sondern, nach 
der Auffassung jener Zeit, der Kirche zu dienen. Aber während er 
den äusseren Glanz und die politische Machtstellung des Kirchenstaates 
auf's Höchste steigerte, zog er die rein geistige Macht der Kirche 
Dessen, der da gesagt hatte: Mein Reich ist nicht von dieser Welt, 
in den Strudel profaner Angelegenheiten, in den befleckenden Schlamm 
einer ruchlosen Politik hinein. So entstand jene Verquickung des 
Heiligen mit dem Profanen, welche der ferneren Entwicklung des Papst- 
thums einen so verhängnissvollen Charakter ailfgeprägt, einen grossen 
 Theil der christlichen Welt zum Abfall gezwungen und sich mit den 
hochherzigen Einheitsbestrebungen der italienischen Nation in Tod- 
feindsehaft gesetzt hat. Erst in unseren Tagen sollte es den Italienern 
gelingen, unterstützt durch das gute deutsche Schwert, diese unheilvolle 
Verlmüpfung zu lösen.
        

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