Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272370
Schüler Bartolonlmeds. 
Mariotto. 
171 
er an dem Nachlass seines Meisters, bis er im Jahre 1547 in Folge 
eines Sonnenstichs starb. 
Von ihm empfing aus zweiter Hand die Ordensschwester Plau- 
tilla Nelli (1523-1587) die Kunstweise der Werkstatt von S. Marco, 
die sie freilich nicht ohne Abschwächung und Verflachung fortführte. 
So in einer Darstellung der Trauer um den Leichnam des Herrn, 
welche aus dem Kloster Sta. Caterina in die Sammlung der Akademie 
übergegangen ist. 
Ungleich bedeutender ist der Freund und Genosse Fra Bartolom- 
me0's, Mariotto Albertinelli, 1474 geboren und von seinem Vater für 
das Goldschlägergewerbe bestimmtäi). Da ihn aber seine Neigung zur 
Malerei trieb, so begab er sich zu Cosimo Rosselli in die Lehre, wo 
er mit Fra Bartolommeo bald in ein nahes, freundschaftliches Ver- 
hältniss trat, so dass Vasari ihn nfast einen zweiten Bartolommeo" nen- 
nen konnte. Als dieser sich selbständig niederliess, gesellte sich 
Mariotto zu ihm, und wir haben schon gesehen, dass diese Verbindung 
auch dann noch fortbestand, als sein Freund in das Kloster S. Marco 
eingetreten war. Er schloss sich der Kunstrichtung des Frate so nahe 
an, dass seine Bilder in Aufbau, Zeichnung, Form und Ausdruck der 
Köpfe, vor Allem in dem weichen Schmelz des Kolorits diesem sehr 
nahe kommen. Zu seinen frühesten Werken gehört das Rundbild der 
Galerie Pitti mit einer Darstellung der h. Familie. Die Madonna 
betet das am Boden liegende, neugeborne Kind an, welches von einem 
Engel ein Kreuz empfängt; im Hintergrunde sieht man den h. Joseph 
und darüber schweben drei Engel, welche das Gloria in excelsis an- 
stimmen. Die Composition erinnert an Lorenzo di Credi," dem auch 
die derben Formen des Christuskindes entsprechen, Ausdruck und 
Färbung stehen aber Fra Bartolommeo nahe. Eins seiner schönsten 
Werke ist die Heimsuchung vom Jahr 1503 in den Uffizien. Man 
sieht die beiden Frauen einander vor einer Bogenhalle begegnen, Welche 
mit ihren eleganten Formen die Composition Wirkungsvoll abschliesst. 
Der edle Ausdruck beider Gestalten, die zarte jungfräuliche Zurück- 
haltung der Madonna, der freudige Eifer und die vertrauliche Innig-- 
keit der Elisabeth bilden einen herrlichen Zusammenklang. Vor Allem 
aber ist der Farbenakkord in den leuchtenden, tief gesättigten Tönen, 
dem tiefblauen Himmel und der dunklen Bogenhalle von köstlicher 
Wirkung. 
492 
Crowe 
und 
Ccwalcczselle , 
Engl. 
III , 
Außä 
484 ff, , 
in 
Jordazfs Ausg.
        

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