Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272331
Bartolommeo. 
Fra 
Werke. 
Späteste 
167 
Hinzufügung einer mächtigen Doppelgruppe von Heiligen, Johannes 
d. T., Paulus, Hieronymus, Franziskus und der knieenden Magdalena 
und Margaretha bereichert wird. Es ist ein kleines Bild von köstlicher 
Freiheit der Composition, herrliche Gestalten voll tiefer Empfindung 
in leuchtender Gluth des Kolorits und goldigem Helldunkel. In dem- 
selben Jahre schuf der fleissige Mönch das grosse Andachtsbild der 
Madonna della misericordia in S. Romano zu Lucca. Während Christus 
in feierlichem Schwung dahinschwebt und die Madonna innig zu ihm 
aufblickt, breiten Engel ihren Mantel über die Christenheit aus, deren 
Vertreter, nach Alter und Geschlecht verschieden, in edel empfundenen 
Gruppen sich schutztlehend zusammendrängen. So reich an herrlichen 
Einzelheiten diese grosse Composition ist, die durch ein tiefes kraft- 
volles Kolorit sich auszeichnet, so bringt doch eine gewisse Absicht- 
lichkeit in der Anordnung und etwas Gesuchtes in den Stellungen eine 
etwas kühle Wirkung hervor. Das dritte Bild dieses Jahres ist eine 
Madonna der Ermitage zu Petersburg, auf welchem in Üebereinstim- 
mung mit jener von S. Marco die h. Jungfrau mit dem Kinde am 
Boden sitzend dargestellt ist, von vier musizirenden Engeln umgeben. 
Hier begegnet uns anstatt des feierlichen Aufbaues der grossen Altar- 
bilder eine jener idyllischen Familienscenen, wie sie in der florenti- 
nischen Kunst, besonders durch Fra Filippo und Botticelli ausgebildet 
worden waren. Die Madonna steigt vom Himmelsthron herab und 
wird ganz irdische Mutter, wobei die Innigkeit rein menschlichen Em- 
pfindens an die Stelle überweltlicher Mystik tritt. Fra Bartolommeo 
hat, zugleich mit Rafael in Lionardo's Fussstapfen tretend, dies rein 
Menschliche aus dem tlorentinisch Bürgerlichen und Alltäglichen durch 
den Adel höchster Schönheit in Aufbau und Linienführung, in Ge- 
wandung, in Form und Ausdruck der Köpfe zu freier Idealitat erhoben. 
Hat das Petersburger Bild durch Verputzen an seiner ursprüng- 
lichen Schönheit eingebiisst, so scheint dagegen eine andere, etwas 
frühere Composition, im Besitz des Lord Cowper zu Panshanger 
von untadeliger Erhaltung. Dort erweitert sich das Thema zur lieb- 
lichsten Familienscene, indem die noch lionardesk gezeichnete Madonna 
wie rastend in einer Landschaft unter Palmen sich niedergelassen hat, 
auf dem Schoosse das nackte Kind haltend, welches von dem herbei- 
eilenden kleinen Johannes ein Kreuz empfängt. Die Gruppe zeigt 
pyramidalen Aufbau, dessen symmetrische Strenge durch den neben 
der Madonna gelagerten, dem Kinderspiel gemüthlich zuschauenden 
Joseph (Studie dazu in Weimar) gemildert wird. Ein Bild ähnlicher
        

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