Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272328
166 
Buch. 
Kapitel. 
Die 
Florentiner. 
übrigen 
andern Blatt (Br. 70), von dem auf derselben Seite vorn stehenden 
lilönch eine andre ebendort (Br. 72). Wie bedeutende Umgestaltungen 
der Künstler bei der Ausführung noch vornahm, lehrt ein vergleichender 
Blick auf unsere Abbildungen; namentlich der kleine Johannes kniet auf 
den Stufen, anstatt hinaufzuschreiten, und aus den musizirenden Engeln 
sind zwei einander umarmende geworden, während Baccio die musizi- 
renden bei seinem grossen Madonnenbilde der Galerie Pitti verwendete. 
Auch dieses Bild steht durch die Grossartigkeit der Formen so 
bedeutend da, dass die Erzählung Vasari's von einem Besuche, welchen 
Fra Bartolommeo damals in Rom gemacht habe, um die Werke RafaePs 
und Michelangelds kennen zu lernen, grosse Wahrscheinlichkeit gewinnt. 
In Rom entstanden wahrscheinlich die beiden Tafeln mit den Apostel- 
fürsten, welche man, allerdings nicht mehr im ursprünglichen Zustande, 
in der Sammlung des Quirinal sieht. Die Cartons dazu besitzt die 
Akademie zu Florenz. Vasari berichtet zugleich, dass die römische 
Luft dem Frate schlecht bekommen sei, und damit lasst sich die That- 
sache wohl zusammenreimen, dass der Künstler im Juli 1514 in das 
Landspital der Dominikaner nach Pian' di Mugnone sich zu seiner 
Erholung begab. Man sieht dort noch mehrere Arbeiten, die er da- 
mals und bei später wiederholten Aufenthalten ausgeführt hat. In 
diese Zeit fallt ein herrliches Madonnenbild in der Kirche von S. Marco, 
welches in Grösse der Form, Innigkeit des Motivs und dem glänzenden 
Kolorit der Madonna della Sedia nahe kommt. Dass auch der Frate, 
glücklicherweise nur vorübergehend, den Einfluss Michelangelds erfuhr, 
bezeugt am klarsten die Kolossalgestalt des h. Marcus in der Galerie 
Pitti, eine herrliche Gewandiigur von kühner Bewegung, welcher 
jedoch der mühsam gesteigerte Ausdruck des Kopfes nicht zu folgen 
vermag. Das Gewaltsame, das terribile in der Kunst Michelangelds 
war für die feine massvolle Seele Fra Bartolommeds eine Klippe, der 
er sich bald wieder zu entziehen wusste. Die Kohlenstudie zum Marcus 
findet sich in den Üffizien (Br. 68). Von ähnlich grandioser Anlage 
bei ._leuchtend tiefem Kolorit ist die,-gleich der vorigen, aus S. Marco 
stammende Figur des h. Vinzenz Ferrerius in der Akademie (S. der 
gr. G. Nr. 69). Dahin gehören auch die Einzelgestalten dominika- 
nischer Heiliger, im Dormitorium von S. Marco in Fresko ausgeführt. 
Auf der nunmehr erlangten freien Höhe künstlerischer Vollendung 
schuf Fra Bartolommeo in den wenigen Jahren, die ihm noch vergönnt 
waren, eine Reihe edelster Meisterwerke. So im Jahre 1515 die Ver- 
kündigung im Louvre, wo die sonst so einfache Composition durch
        

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