Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270589
Erstes 
Kapitel. 
Die 
Kultur 
der 
italienischen 
Hochrenaissance. 
Gegen Ausgang des 15. Jahrhunderts schickt sich die Kunst in 
Italien an, den Gipfel der Vollendung zu ersteigen. Die Malerei geht 
von dem durchgebildeten Naturalismus, mittelst dessen sie fast ein 
Jahrhundert lang daran gearbeitet hatte, sich die ganze Welt der 
Erscheinungen zu unterwerfen, zu jener hohen freien Idealität über, 
in Welcher alles Einzelne zu stilvoller Grösse geadelt wird. Sie erreicht 
dies Höchste durch die angespannte Thatigkeit einer Reihe der grössten 
Meister, neben welchen selbst die bedeutendsten unter den Vorgängern 
in zweite Linie zurücktreten müssen. Diese Entwicklung reicht bis 
gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts, an einzelnen Orten selbst noch 
über diese Zeit hinaus. Alles was innerhalb dieses Zeitraums geschaf- 
fen wurde, ist wie mit dem glänzenden Wiederschein eines höheren 
Daseins geweiht. Man erkennt, dass die gesammelte geistige Kraft 
der Nation in diesen Schöpfungen ihren vollkommensten Ausdruck 
gefunden hat.  
Wo irgend wir sonst in der Geschichte einem hohen künstlerischen 
Aufschwung begegnen, pflegt derselbe das Ergebniss eines kraftvollen 
Pßlitischen Lebens, eines in Gesundheit blühenden Volkstllllllls ZU Sein. 
anders im Cinquecento Italiens. Erwägen wir die damaligen poli- 
tischen Verhältnisse des Landes, vor Allem die sittlichen Zustände des 
öiicentlichen Lebens, so gewinnen wir den Eindruck, dass die farben- 
glüllende Wunderblume jener Kunst aus dem giftgesehwängerten Boden 
eines moralischen Sumpfes emporsteigt. Unser Staunen wächst, wenn 
W11" gewähren, dass diese Kunst im Ganzen und Grossen, mit ver-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.