Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272239
Fra Bartolommeo. 
Altarbilder. 
Frühe 
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in des Frate Bildern eine solche Bedeutung gewann, dass die Gruppen 
oft streng in ein vorgeschriebenes Dreieck hineingezeichnet sind, spielt 
auch in den gleichzeitigen Werken RafaePs eine grosse Rolle. Manche 
Bewegungsmotive in den Madonnen und heiligen Familien seiner mitt- 
leren Zeit begegnen sich mit solchen in F ra Bartolommeds Bildern. 
Vor Allem aber ist es derselbe Geist lauterer Innigkeit und Schönheit, 
der die Werke beider Freunde verklärt. Die reine künstlerische Stim- 
mung des Frate wurde um so weniger von irdischen Dingen getrübt, 
als der Ertrag seiner Kunst dem Kloster zu Gute kam, dem daher 
auch der geschäftliche Theil, namentlich die Verhandlung mit den 
Bestellern zufiel. Seit 1509 wurde ihm gestattet,_seinen Freund Ma- 
riotto als Gehülfen heranzuziehen, dem dafür die Hälfte des Ertrages 
zugestanden ward. Dies eigenthümliche Verhaltniss dauerte bis 1512, 
wo Mariotto sich mit dem Freunde auseinandersetzte und ausschied. 
Als Monogramm für ihre gemeinsamen Arbeiten wählten sie zwei 
Siegelringe, Welche durch ein Kreuz zusammengehalten werden. 
Zu den frühesten Werken des Frate gehört das köstliche kleine 
Triptychon in der Casa Poldi zu Mailand, welches die das Kind 
saugende Madonna darstellt, auf den Flügeln die h. Barbara und 
Katharina, auf der Aussenseite grau in grau die Verkündigung. Dies 
Werk von höchster ininiaturhafter Vollendung scheint um 1505 ent- 
Standen zu sein. Das Gepräge derselben Frühzeit, die durch den 
überwiegenden Einfluss Lionardo's charakterisirt wird, trägt das F resko- 
bild eines Ecce homo, unter Nr. 377 in der Galerie Pitti. Sodann 
gehört der früheren Epoche des Meisters die dem h. Bernhard er- 
scheinende Madonna in der Sammlung der Akademie, ursprünglich 
in der Badia. Die Jungfrau schwebt, von einer Engelschaar um- 
geben und getragen, von links her auf Wolken herab, in den Armen 
das segnende Kind haltend. Im Vordergrund rechts kniet an seinem 
Pulte, im Profil zur Madonna gewendet, der h. Bernhard, V011 J 0118111168 
dem Evangelisten und Benedictus umgeben. Hier sind besonders die 
drei Heiligen ungemein anziehend durch edlen Gewandstil und weihe- 
vollen Ausdruck der Köpfe, zugleich in der Farbe von kräftiger Har- 
monie, und von jenem duftigen Schmelz der fein gestimmten Lasuren, 
welcher an Lionardo erinnert. Die Gestalten mahnen aber noch deut- 1 
lich an Peruginds Auffassung. Auch in der Gruppe der Madonna mit 
den Engeln spürt man noch einen Rest alter Unfreiheit, und die Farbe 
der übrigen Theile verräth eine unruhige Buntheit, die noch stark an 
Cosimo Rosselli gemahnt. Mehrere Studienblätter zu diesem Bilde sieht
        

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