Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272219
Bartolommeo. 
Fra 
Jüngstes Gericht. 
157 
Auftrag erhielt, im Klosterhofe von Sta. Maria Nuova das Jüngste 
Gericht in Fresko zu malen, mag er, noch erschüttert von jener tra- 
gischen Katastrophe, mit verdoppelter Kraft religiöser Empfindung 
dies ergreifende Thema aufgefasst haben. Das leider durch schwere 
Unbill der Witterung arg beschädigte, zum Theil sogar zerstörte Werk 
nimmt eine hervorragende Stellung in der Kunstgeschichte ein, denn 
es bildet die Brücke zwischen Ghirlandajo und Rafael, indem es von 
der feierlichen aber noch gebundenen architektonischen Anordnung des 
Ersteren zu der vollendeten Freiheit und Grossartigkeit der Disputa 
hinüberleitet. 
Das im Halbkreis abschliessende Bild zeigt oben in der Mitte 
den auf Wolken thronenden, von einem Kranz geflügelter Seraphköpfe 
umgebenen Weltrichter, eine feierliche Gestalt in grossartiger Gewan- 
dung. Die Linke legt er auf die Wunde in seiner Brust, Während er 
die Rechte hoch erhebt, um das Wundmaal zu zeigen. Recht im Gegen- 
satz zur Feierlichkeit dieses Gcstus lauscht ein kleiner Engel unter 
den Falten des Mantels hervor, während drei andre wie im Spiel die 
Passionswerkzeuge, Zange, Hammer und Nägel halten. Zu beiden 
Seiten schliessen sich, wie in der Chornische einer Kirche sitzend, die 
Apostel an, denen die Madonna beigesellt ist. Dieser herrliche Reigen 
edler Gestalten voll Würde und Schönheit ist der Keim, aus welchem 
später Rafaehs Dispute. hervorwuchs. Das Centrum des Bildes nehmen 
die Engel des Gerichtes ein, in der Mitte ein etwas steif auf Wolken 
ausschreitender, der sich gar zu schwerfällig mit Kreuz und Lanze 
schleppt. Von ihm aus schwebt nach jeder Seite ein mächtig in die 
Posaune stossender Engel. Unten auf der Erde steht in der Mitte die 
glänzende Rittergestalt St. Michael's, der mit erhobenem Schwert und 
gebieterischer Handbewegung einen in's Knie gesunkenen nackten 
Jüngling, der sich zu den Seligen gesellt hat, auf die Seite der Ver- 
dammten weist. Diese nackte Gestalt bildet einen herrlichen Gegen- 
satz zu der stillen Feierlichkeit der grossartig drapirten Heiligen und 
Seligen dieser Seite. Ebenso sieht man auf der Seite der Verdammten 
zwischen den mit allen Zeichen der Verzweiflung sich leidenschaftlich 
geberdenden nackten Verdammten eine Gewandiigur, die mit innig 
ilehendem Aufblick auf die Huld des ewigen Richters zu hoffen scheint. 
So wird das Bild in der grossartigcn Architektonik seiner Anordnung 
der Feierlichkeit des Gegenstandes gerecht und verbindet damit zu- 
gleich so viel Züge leidenschaftlicher Dramatik, als sich mit dieser 
Auffassung irgend vertragen. Im Wurf der Gewänder und in der
        

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