Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272178
Verhältnisse 
Aeussere 
Sebastian 
Piombds. 
153 
durch die vollendeten Schöpfungen eines Palma und Tizian sich ko- 
loristisch neu erfrischte. Das Ergebniss dieser Einflüsse ist jenes Por- 
trät des Andrea Doria. Damals schloss er auch Freundschaft mit 
Sansovino und Tizian, den beiden Beherrschern und Führern der ve- 
nezianischen Kunst; auch das Porträt Aretino's, mit dem er schon in 
Rom bekannt geworden war, entstand in dieser Zeit. Im Jahre 1529 
finden wir Sebastiano wieder in Rom, und bald darauf (1531) gelang 
es ihm endlich, das Ziel seines Strebens, einen bequemen Ruheposten, 
zu erlangen. Er erhielt durch Clemens VII. das Amt des Piombo, 
welches ihn lediglich verpflichtete, die päpstlichen Bullen mit dem 
Bleisiegel zu versehen. Diese Sinecure warf ihm ein jährliches Ein- 
kommen von achthundert Scudi ab, wovon er freilich dreihundert an 
Giovanni da Udine abgeben musste. Von seiner Gesinnung legt ein 
Brief an Aretino Zeugniss ab, wo es unter Anderm heisst: „Ich bin 
jetzt gläubig, ganz gläubig, und dies eben ist die Frucht meines Glau- 
bens. Saget- dem Sansovino, in Rom gäbe es Aemter, Bleibullen, 
Hüte und andre Dinge zu angeln." Und in einem andern Briefe 
heisst es: "Nun, da ich mein Auskommen habe, will ich auch nichts 
mehr thun, denn jetzt hat die Welt Genie's genug, welche in zwei 
Monaten leisten, wozu ich zwei Jahre brauche." Der beste Charakter- 
zug an Sebastiano ist seine treue Anhänglichkeit an Michelangelo, die 
nicht bloss in zahlreichen Briefen, sondern auch in der Sorgfalt, mit 
der er sich der Angelegenheiten desselben, namentlich bei der schliess- 
liehen Ordnung des Juliusdenkmals, annahm. Doch erhielt die Freund- 
schaft einen Riss, als Sebastiano den Kalkbewurf für das Jüngste Gericht 
herstellen liess und dabei von der Voraussetzung ausging, Michelangelo 
werde sich bestimmen lassen, das Werk in Oel auf die Wand zu malen 
und ihn dabei zur Mitwirkung heranzuziehen. Aus den späteren Lebens- 
jahren Sebastiands notiren wir noch, dass er Katharina von Medici und 
Giulia Gonzaga, die Geliebte des Kardinals Ippolito de' Medici, zu malen 
hatte. Letzteres Bild ist vielleicht in dem Porträt der StadePschen 
Sammlung zu erkennen. Auch Papst Paul III. liess sich von dem Meister 
malen, bot aber, als er Tizian kennen lernte, diesem das Bleiamt an, 
wenn er sich entschliessen könne, nach Rom zu ziehen. Es war ein 
Glück für Sebastiano, dass der grosse Künstler ehrenhaft genug dachte, 
dies Anerbieten auszuschlagen. Sebastiano genoss noch bis 1547 seine 
Sinecure, und als er im Juni dieses Jahres von einem Fieber hingeraflt 
ward, wurde er in Sta. Maria del Popolo bestattet.
        

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