Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272082
144 
Buch. 
Kapitel. 
Buonarroti. 
Michelangelo 
erinnernd, in der Farbenbehandlung aber schon mit jenen unruhig; 
gebrochenen schillernden Tönen, durch welche sich der Manierismus 
ankündigt. Von den dekorativen Arbeiten Daniele's in der Sala regia 
des Vatikans und an andern Orten, sowie von seinen späteren plasti- 
schen Werken dürfen wir füglich absehen. Daniele lebte bis 1566 
und vermochte sich in seinen späteren Arbeiten eben so wenig wie 
die Mehrzahl der gleichzeitigen Künstler von dem mächtig eindringen- 
den Manierismus frei zu erhalten. Dass er, als Papst Paul IV. das 
Jüngste Gericht Michelangelds wegen der Nuditäten herabschlagen 
lassen wollte, dasselbe durch theilweise Ücberinalilng rettete, wurde 
schon erzählt.  
 Eine ganz besondere Stellung nimmt ein anderer Künstler ein, 
der, aus der venezianischen Schule hervorgegangen, sich später Michel- 
angelo anschloss, und in dem man einen der frühesten Eklektiker der 
italienischen Kunst zu erkennen hat. Es ist Sebastiano Lucian-i  
allgemeiner bekannt unter dem Namen Sei). de! Piombo, wie er nach 
seinem später am päpstlichen Hof erlangten Amte genannt wird. In 
Venedig um 1485 geboren, gehörte er zu jener älteren Generation, 
die noch die Lehre und den Einfluss Giovanni Bellinfs erfahren hatte, 
Mächtig wirkte sodann auf ihn der in derselben Schule herangewachsene, 
um einige Jahre ältere Giorgione, der zuerst den grossen freien Stil 
der Malerei eingeführt hatte und auch auf Tizian bestimmenden Ein- 
fluss übte. Sebastian war offenbar eine leichtbewegliche, empfängliche 
und mannichfach begabte Natur, wie er denn namentlich auch als Sänger 
und Musiker sich auszeichnete und in dieser Eigenschaft in den vor- 
nehmen Kreisen Venedigs gern gesehen war. Aus seiner früheren 
Zeit bewahrt die Kirche S. Giovanni Crisostomo zu Venedig ein 
grosses Altarbild, welches die Verherrlichung des h. Chrysostomus ent- 
hält. Man sieht den Heiligen thronen, mit drei weiblichen und drei 
männlichen Heiligen, Augustinus, Johannes d. T. und Liberale einer- 
seits, Katharina, Agnes und Magdalena andrerseits verbunden. Es ist 
jene grossartige Anordnung einer Santa conversazione, wie sie durch 
Giovanni Bellini zuerst entwickelt und dann durch Giorgioney und 
Tizian zu hoher Vollendung geführt wurde. Die Gestalten sind von 
freier Lebendigkeit, der greise, an seinem Pult schreibende Chry- 
sostomus voll feierlicher Würde, vor Allem aber die Frauen von jener 
In 
ü) Vgl. Growe and Cavalcaselle, hist. 
Jorrlarfs Bearbeitung Bd. VI, 367 Ü". 
of 
painting 
in 
N orth 
Italy, 
II 
O 
31
        

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