Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272072
Kreuzahnahme 
Danielefs 
und 
Werk e, 
andere 
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verklärten Ausdruck des herrlichen Kopfes, die ebenfalls sehr maassvolle 
Muskulatur der Männergestalten in ihren nakten Theilen, Bewegung, 
Ausdruck, Stil und Faltenwurf der Gewänder, und besonders noch bei 
den Frauen der feine Geschmack in der Anordnung des_ Haares, das 
Alles sind Einwirkungen des rafaelischen Geistes, dem dies herrliche 
Bild ebenbürtig erscheint. Ursprünglich für die Kreuzeskapeller der 
erwähnten Kirche ausgeführt, befindet sich das Gemälde jetzt stark 
restaurirt in der zweiten Kapelle des linken Seitenschiffs. Die von 
Daniele noch hinzugefügten Fresken aus der Geschichte des h. Kreuzes 
sind durch gewaltsame Beschädigung untergegangen. 
Zu gleicher Höhe hat sich Daniele nicht Wieder erhoben; wenn 
jenes Hauptwerk unter der glücklichen Inspiration rafaelischer Kunst 
entstanden war, so verrathen andere Arbeiten den minder günstigen 
Einfluss Michelangelds. S0 besonders die grosse auf beiden Seiten 
bemalte Tafel, Welche er für den Florentiner Giovanni della Casa 
ausführte, jetzt in der Galerie des Louvre, wo das Werk früher den 
Namen des Michelangelo trug. Es stellt den jugendlichen David dar, 
der dem von ihm niedergeworfenen Goliath den Kopf vom Rumpfe 
trennt. Der Künstler hatte zuerst die Composition in Thon modelliren 
und sodann dieselbe von den beiden entgegengesetzten Seiten auf seiner 
Tafel darstellen müssen. Es ist das einer jener Versuche, wie sie uns 
in der damaligen italienischen Kunst öfter begegnen, die Malerei in 
Vvettkampf mit der Skulptur treten zu lassen. Denn bei der damals 
leidenschaftlich erörterten Frage, welcher von den beiden Künsten der 
Vorrang gebühre, wurde in erster Linie die Allseitigkeit des plastischen 
Werkes geltend gemacht, worauf dann die Maler mit Hülfe von Spie- 
geln und dergleichen die Fähigkeit ihrer Kunst_ betonten, in demselben 
Bilde ebenfalls verschiedene Ansichten einer Gestalt geben zu können. 
Daniele hat nun hier die beiden Seiten seiner Tafel dazu benutzt. 
Seine Complosition ist bedeutend, voll Geist, Feuer und Leben, die 
Muskulatur und die Zeichnung der Gestalten erinnern entschieden an 
Michelangelo, doch ohne in Manier und Üebertreibung zu verfallen. 
Dagegen fehlt dem Kolorit jeder malerische Reiz, vielmehr zeigt es 
jene trocknen, saftlosen, freskoartigen Töne, die für Michelangelo 
charakteristisch sind. Für seine Vaterstadt Volterra malte Daniele 
dann das kleine Bild des Kindermords, welches man jetzt in der Galerie 
der Üffizien sieht. Es ist eine figurenreiche Composition, von grosser 
Sorgfalt ja Zierlichkeit der Ausführung, in dem Gewaltsamen der 
Motive und dem leidenschaftlichen Ausdruck wieder an Michelangelo
        

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