Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272035
Handzeichnungen Michelangelds. 
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lose Blätter mit Unrecht ihm zugeschrieben werden. Vieles trägt 
deutlich die Merkmale der Nachahmer, welche nach seinen Werken 
studirten, und gerade aus der grossen Anzahl solcher Blätter erkennt 
man den gewaltigen Einfluss, welchen der Meister auf seine Zeitge- 
nossen iibte. Um aus der Masse des Untergeschohenen dieser Gattung 
nur Einzelnes hervorzuheben, bezeichnen wir z. B. im Museum zu 
Weimar mehreres aus der Decke der Sixtina (Br.107, 108, 109, 113, 
2114), in der Albertina ähnliche Nachahmungen (Br. 45, 46, 47) u. s. w. 
Immerhin bleibt noch eine gute Anzahl ächter Zeichnungen, in deren 
Besitz sich die Sammlungen der Uffizien und des Louvre, sodann die 
Akademie zu Venedig, die Windsor-Galerie, die Albertina zuWien 
und die Ambrosiana zu Mailand theilen. Den grössten Schatz an Hand- 
zeichnungen des Meisters besitzt die Universität zu Oxford, und über 
diese hat Robinson eine überaus wichtige kritische Arbeit veröffentlicht. 
Unter diesen verdienen namentlich einige Studienblätter für das Grab- 
mal Julius 11., sowie für die Decke der sixtinischen Kapelle besondere 
Beachtung. Auch die Skizzen für die Medicaergraber sowie für einzelne 
Theile des Jüngsten Gerichts gehören dahin. Der gesaminte Charakter 
der Zeichnungen Michelangelds unterscheidet sich diametral von denen 
Lionardds. Während dieser meistens die Natur selbst vor Augen hat 
und ihre Erscheinungen mit höchster Sorgfalt und unübertrotfener 
Feinheit wiedergiebt, so dass mit den manniehfaltigsten Mitteln, in 
Kreide oder Kohle, mit der Feder oder dem Stift, meist auf farbigem 
Papier ein hoher malerischer Reiz erreicht wird, beschränkt sich 
Michelangelo meist auf die einfachste Federzeichnung in Tusche auf 
weissem_Papier. Ohne eine malerische Wirkung zu erstreben, will er 
nur in einer meist flüchtig aber um so geistvoller stenographirten 
Form die ihm auftauchenden Ideen mit wenigen Strichen festhalten. 
Doch giebt es eine Anzahl von Zeichnungen, meist in Rothstift, aus 
Michelangelds Jugend, in welcher sich der Einfluss Lionardds unver- 
kennbar ausspricht. Es sind zumeist Studien zu Köpfen, die in der 
scharfen charakteristischen Auffassung wie in der zart verschmolzenen 
modellirenden Behandlung an jenen grossen Meister anknüpfen und 
der Zeit angehören werden , da derselbe von Mailand zurückkehrte 
und die üorentinische Kunstwelt durch den Glanz seines Namens und 
die hohe Vollendung seiner Arbeiten in Aufregung setzte. Solcher 
Blätter besitzt namentlich die Sammlung zu Oxford eine ziemliche 
Anzahl; auf einem Blatte (Br. 75) findet man nicht weniger als elf 
Studienköpfe vereinigt. Dennoch zeigt sich, im Gegensatze zu der
        

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