Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272003
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Buch. 
Kapitel. 
Michelangelo Buonarroti 
schenkte, um aus dem Erlös die Mitgift für seine Schwestern zu be- 
streiten, wurde von diesem an Franz I. verkauft und soll neuer- 
dings stark beschädigt im Magazin der Nationalgalerie zu London 
wieder entdeckt worden sein. Die Marmorgruppe im Bargello zu 
Florenz geht ebenfalls auf eine Skizze Michelangelds zurück. Von 
ähnlicher Grossartigkeit ist eine in heroischen Formen gewaltig an- 
gelegte Venus, welche von Amor geküsst wird; auch von dieser Com- 
position kommen mehrere Nachbildungen von Schülerhand vor; eine 
derselben im Museum zu Berlin, ehemals dem Pontormo zugeschrieben. 
Endlich gehört in diese Reihe die Allegorie des "Traumes", von 
Welcher man ein früher wohl mit Unrecht auf Sebastian del Piombo 
zurückgeführtes Exemplar in der Nationalgalerie zu London und eine 
ebenfalls von einem Schüler Miclielangelds herrührende Zeichnung im 
Museum zu Weimar (Br. 39) sieht: ein Jüngling sitzt in kühn zurück- 
gebogener Stellung, mit den Armen auf einen Globus gestützt, auf 
einer Steinkiste, deren Höhlung mit Masken aller Art ausgefüllt ist. 
Während ihn wie Traumgestalten Scenen der Gewaltthat und des 
Sinnengenusses umgeben, in denen man Darstellungen der sieben Tod- 
sünden erkennt, stürzt sich mit ausgebreiteten Flügeln häuptlings ein 
Genius herab, um den Träumenden mit Posaunenschall in's Bewusst- 
sein zurückzurufen. Die Kühnheit der Bewegungen, die Breite der 
Formen, ebenso wie das grüblerisch Gaedankenvolle der Composition 
weisen auf einen Entwurf des Meisters zurück.  
Mehrere der herrlichsten Zeichnungen, die demselben Stoffgebiet 
angehören, bewahrt die Windsor-Sammlung. Drei Arbeiten des Hereules, 
seine Kämpfe mit Antaus, der lernäischen Hydra, dem nemeischen 
Löwen, meisterlich kühn und gewaltig, sieht man auf einem Blatt 
(Nr. 27); den vom Geier zerfleisehten Prometheus, der gefesselt am 
Boden liegt, auf einem andern (Nr. 31). Es ist wahrscheinlich das- 
selbe Blatt, welches Michelangelo nach Vasarfs Versicherung für Tom- 
maso de' Cavalieri zeichnete. Diese Arbeiten sind in schwarzer 
Kreide mit höchster Vollendung ausgeführt, die Modellirung der Körper 
namentlich von unübertrefflicher Rundung. Für denselben Freund 
zeichnete er ein Bacchanal von Kindern, welches in einer herrlichen 
Röthelzeichnung der nämlichen Sammlung (Nr. 33) vorzuliegen scheint. 
Es ist jedenfalls eins der reichsten und schönsten Blätter, die wir von 
Michelangelo besitzen. Endlich ebendort (Nr. 32) die nicht minder 
vorzügliche Röthelzeichnung jener merkwürdigen Composition, welche 
unter dem Namen „I Bersaglieri" eine Anzahl nackter junger Männer
        

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