Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271991
Charakter. 
Michelangelds 
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durchbrach auch, wenn seine edelsten Interessen verletzt oder sein 
Künstlerstolz gereizt wurde, ein leidenschaftlicher Zorn die Schranken 
des Herkommens: aber eben so schnell war seine ehrliche Natur durch 
Offenheit wieder versöhnt, und in den späteren Jahren dämpften die 
ernsteren Lebenserfahrungen das leidenschaftliche Üngestüm. Dass er 
in seinen jüngeren Jahren durch masslosen Ehrgeiz nicht selten Andere 
verletzte, lasst sich nicht leugnen. Sein Benehmen gegen den hoch- 
verdienten älteren Lionardo, seine rauhen Aeusserungen gegen Perugino, 
seine Geringschätzung des trefflichen Francia, seine Ünfreundlichkeit, 
wenn nicht gar Feindseligkeit gegen Rafael sind Zeugen davon. Als 
Lionardo und Rafael gestorben waren, und er sich in seiner Grösse als 
unbestrittener Alleinherrscher im Reich der Künste sah, mag es ihm 
leicht geworden sein, milder und versöhnlieher zu werden. Aber seine 
einsame Stellung machte ihn nun um so reizbarer und misstrauischer. 
Ueberall witterte er Verrath und Untreue; selbst die bestgemeinten 
Rathschlüge der Seinigen konnten seine Galle erregen, und so mag er 
als ein unnahbarer, argwöhnischer Sonderling erschienen sein. Doch 
waren seine Thaten milder als seine Worte; er war überall gern bereit, 
zu helfen, namentlich aber setzte er seinen Ehrgeiz darein, seine Fa- 
milie, deren vornehme Abstammung ihm sehr am Herzen lag, wieder 
zu Glanz und Ansehen zu bringen. Rührend ist das unablassige Mühen 
für die Seinigen und die fast zärtliche Sorgfalt für seinen Neffen 
Lionardo, auf Welchem seine Hoffnung für die Zukunft des Hauses 
Buonarroti beruhte.  
Was man in Galerieen an Tafelbildern Michelangelds zeigt, 
ist ohne Ausnahme untergeschoben. Dies gilt namentlich auch von 
dem Gemälde der Parzen in der Galerie P itti ,-einer trockenen und 
geistlosen Arbeit, vielleicht des Rosso de' Rossi, welche wir nicht 
einmal auf einen Entwurf Michelangelds zurückführen möchten. Da- 
gegen liegen manchen andern Tafelbildern seiner Schüler und Nach- 
f0lger gewiss Zeichnungen des Meisters zu Grunde. So kommt mehr- 
mals die Darstellung des vom Adler des ZGIIS entführten Ganymed 
vor, zu welchem die geistreiche mit der Kohle ausgeführte Skizze 
unter Lionardds Namen sich im Louvre (Br. 183) befindet. S0 auch 
eine Leda mit dem Schwane, von der es ebenfalls mehrere Wieder- 
holungen giebt. Das von Alichelangelo selbst 1530 für den Herzog 
von Ferrara ausgeführte Original, welches der Meister im Zorn über 
eine taktlose Bemerkung des herzoglichen Geschäftsträgers diesem 
entzog und nebst andern Kunstwerken seinem Diener Antonio Mini
        

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