Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271932
  6x 
LIVIJEASJMI  
ausgezeichnetsten Geistern der Nation nach einer Erneuerung des 
religiösen Lebens hindrangte. Michelangelo, der schon in seiner Jugend 
von der sittlichen Strenge eines Savonarola sich angezogen fühlte, und 
den die schmerzlichen Enttäuschungen seines Lebens noch mehr zur 
Verinnerlichung, zur Abkehr vom Sinnlichen und Irdischen getrieben 
hatten, kam im Geleit seiner Freundin immer mehr zu einer tiefen Re- 
ligiosität. So weit geht er nicht selten in der Strenge gegen sich 
selbst, dass er sogar die künstlerischen Ideale seiner Mannesjahre ver- 
wirft und seine einzige Hoffnung auf den Erlöser setzt, wie er in einer 
Anzahl tief empfundener Gedichte zu erkennen giebt. Als ihm der 
Tod seinen treuen Diener Urbino raubte, sprach er in einem Briefe 
an Vasari diese Stimmung in ergreifender Weise aus: „Gott hat mir 
grosse Gnade an ihm verliehen, aber mit unendlichem Schmerz. Die 
Gnade besteht darin, dass er, so lange er am Leben, mich am Leben 
erhielt, und sterbend mich sterben gelehrt hat, nicht mit Unlust, so'n- 
dern mit Sehnsucht nach dem Tode. Mein einziger Trost ist, ihn im 
Paradiese wiederzusehen. Und dafür hat Gott mir ein Zeichen ge- 
geben durch seinen seligen Tod; denn mehr als der Tod hat ihn der 
Gedanke geschmerzt, dass er mich zurücklasst in dieser trügerischen 
Welt, mit ihren Mühsalen, obwohl der grösste Theil von mir dahin 
und mir nichts mehr geblieben ist als unendliches Elend." 
Mit seiner Thatigkeit als Maler und Bildhauer hatte Michelangelo 
abgeschlossen; aber das Geschick dieses ausserordentlichen Mannes 
wollte, dass er in den letzten Dezennien seines Lebens noch als 
Architekt nicht minder Bewundernswerthes schaffen sollte. S0 über- 
mächtig war die Grösse seines Genius, dass auch bei hervorragenden 
Bauten sein Ürtheil und seine scliöpferischenIdeen als massgebend 
angerufen wurden. Nachdem in Florenz die Facade für S. Lorenzo 
nicht zu Stande gekommen war, gab es dagegen in Rom Gelegen- 
heiten genug, um seine Kraft zu erproben. Paul III. hatte noch als 
Kardinal durch Antonio da S. Gallo, einen heftigen Nebenbuhler 
Michelangelds, den gewaltigen Palazzo Farnese erbauen lassen. Nach 
Antonios Tode, 1546, wurde Michelangelo mit der Vollendung des 
Werkes betraut. Dieser gab dem Baue das herrliche Kranzgesims 
und vollendete die grandiosen Arkaden des Hofes, sowie die gewaltige 
Loggia gegen den Fluss. Noch riesenhafter war Michelangelds Idee, 
einen zweiten Hof anzubauen, die neu aufgefundene Marmorgruppe des 
farnesischen Stieres als Brunnen in dessen Mitte zu setzen, eine Brücke 
über den Tiber zu schlagen und den Palast mit der auf dem andern 
Lübke, Italien. Malerei. II. 9
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.