Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271897
Sixtina. 
Jüngstes 
Gericht. 
125 
man vor Allem jene erschütternde Gestalt mit dem Ausdruck verzweif- 
lungsvollen Jammers, die von Schlangen gebissen und von gespenstischen 
Teufeln hinabgezerrt wird. Weiter unten ein Dämon, der einen Un- 
glücklichen auf den Schultern hinabträgt, ein Motiv, welches Signorellfs 
orvietanisehen Fresken entlehnt ist. Alle diese Scenen sind von einer 
erschütternden dämonischen Macht. 
Noch höher steigert sich das Entsetzen in jener letzten Gruppe, 
welche den Vordergrund des Bildes zur Linken abschliesst (Eig. 26). 
Hier züngeln aus dem Höllenpfuhl Flammen und wilde Rauchwolken 
empor. Wo in den mittelalterlichen Darstellungen der gähnende Höllen- 
rachen selbst gezeigt wird, sieht man hier, von teuflischen Dämonen 
umringt, den Fürsten der Finsterniss, Minos, von Schlangen umwunden. 
Daneben ist die Barke, welche die armen Seelen an das Ufer der 
Unterwelt bringt. Mit wilden Schlagen seines Ruders treibt der erbar- 
mungslose Fährmann die Unglücklichen, mit aller Macht gegen das 
Verhängniss sich Sperrenden hinaus, wo die Dämonen des Abgrunds 
ihrer Warten und sie mit Haken und Stricken zu sich ziehen. Man 
sieht wieder, wie christliche und heidnische Vorstellungen sich mischen. 
Rechts dagegen erblickt man in zahlreichen Gruppen die Verstorbenen, 
die eben den Gräbern sich entwinden und mit allen Zeichen banger 
Erwartung die Erstarrung von sich schütteln. Von hier aus versuchen 
sie in die lichten Regionen der Seligkeit emporzustreben. Hier sieht 
man zwei ergreifende Einzelscenen von Erstandenen, um Welche Teufel 
und Engel sich streiten; der Eine, um dessen Füsse sich Schlangen 
winden, wird in mildem Erbarmen von einem Engel hinaufgetragen; 
den Andern sucht zwar ein Engel an den Beinen empor zu ziehen, 
aber ein Teufel, der sich mit wüthender Gewalt an seine Hände fest- 
klammert und sich gegenstemmt, strebt ihn hinabzureissen. 
Auch dieses ungeheure Bild zeugt bis in die kleinsten Theile 
von der unermüdlichen Gewissenhaftigkeit des grossen Meisters, der 
hier an der Schwelle des Greisenalters die volle Kraft seiner besten 
Zeit einsetzt. Zwar hat das Bild durch Weihrauchdampf und Kerzen- 
qualnr erheblich gelitten. Auch musste unter Paul IV., alS die A11- 
schauungen prüder geworden waren, Daniel da Volterra eine Anzahl 
nackter Körper mit Kleidern übermalen, wofür er den Spottnamen des 
Hosemnachers erhielt. Immerhin bleibt der Eindruck des gewaltigen 
Werkes ein gemischter, vor Allem  weil die durchgängige Nacktheit 
der geistigen Stimmung eines solchen Vorganges nicht entspricht und 
die Ausdrucksmittel wie die Charakteristik durch das allgemeine Be-
        

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