Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271866
124 
Buch. 
Kapitel. 
Michelangelo 
Buonarroti 
mächtig gesteigertes physisches Leben in den athletischen nackten 
Figuren, keine Spur mehr von der Charakteristik, die christlichen 
Heiligen zukommt. Zu beiden Seiten dieser Mittelgruplae, die sich 
wie ein Kranz darstellt, sind zahlreiche Schaaren von Heiligen zu- 
sammengedrängt, rechts zumeist Männer, links grösstentheils Frauen, 
von denen Viele sich Wieder mit den Werkzeugen ihres Martyriums, 
Kreuz, Säge, Rad, Pfeile u. dgl. heranbewegen, als wollten sie ihren 
Anspruch auf die Seligkeit geltend machen. Während zur Linken 
die Gruppen wiederum an einem Uebermaass des Herkulischen leiden, 
und aus dem Gliedergewirr nur im Hintergrund einige herrliche Scenen 
des Wiedersehens aufleuchten, sind auf der Rechten unter den weib- 
lichen Gestalten überraschende Züge von Anmuth, die indess ebenfalls 
mehr dem Gebiet des allgemein Menschlichen als des Christlichen an- 
gehören; am schönsten die vordere Gruppe, wo eine am Busen und 
zum Üeberfluss auch am Schenkel entblösste Frau liebevoll schützend 
die Hand über ihre Tochter ausstreckt, welche in banger Erschütterung 
ihr Haupt an die Seite der Mutter birgt und dort Zuflucht sucht. 
Weiter oben hat der Künstler die beiden Bogenfelder mit Gruppen 
von Engeln gefüllt, welche die Marterwerkzeuge Christi in mächtigem 
Anstürmen herbeibringen. Auch hier fallen Wieder mehrere athletische 
Gestalten auf, welche sich mit dem Kreuz und der Martersäule schleppen; 
am schönsten die kleinere Gruppe links, welche mit Geissel, Nägeln, 
Dornenkrone der grösseren vorausschwebt. Es sind aber wieder keine 
Engel, sondern nackte Athleten. 
Betrachten wir nun die untere Hälfte des Bildes. Hier fällt zu- 
nächst unterhalb der Gruppe Christi und der Apostel eine Anzahl von 
Engeln auf, die mit furchtbarer Gewalt in die Posaunen des Gerichts 
stossen und die Bücher des Lebens und des Todes aufschlagen. Auch 
hier herrscht jene leidenschaftliche Anspannung aller Kräfte, die den 
Grundzug des ganzen Bildes ausmacht. Auf beiden Seiten daneben ist 
die Luft erfüllt von einem dichten Gewimmel aufschwebender Gestalten. 
ZuriRechten ist es mehr ein ruhiges, aber doch angstvolles Aufschweben, 
voll Ausdruck innigen Flehens, banger Sehnsucht, wobei eine Anzahl 
hülfreicher Engel die von irdischer Schwere noch halb befangenen 
Gestalten hinaufzuführen strebt. Zur Linken aber, wo die Verdammten 
empor zu steigen suchen, entwickelt sich ein wilder Kampf mit allen 
Zeichen des Entsetzens, der Wuth, der Verzweiflung. Die Dämonen 
der Tiefe klammern sich an die Ünglücklichen, die zugleich von oben 
her durch Engel mit Blaustschlägen zurückgestossen werden. Hier sieht
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.