Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271839
Mediceergräber. 
Sixtina. 
Jüngstes 
Gericht. 
121 
aus, der über das Ganze, namentlich über die Statue der Nacht aus- 
gegossen ist. Giovanni Strozzi hatte das Bildwerk besungen; "Die 
Nacht, die du so süss hier schlafen siehst, ward aus dem Stein durch 
einen Engel (angelo) ausgemeisselt; und weil sie schlummert, lebt sie. 
Zweifelst du, so wecke sie und reden wird siefi Darauf lässt Michel- 
angelo die Nacht antworten: „Lieb ist der Schlaf mir, lieber noch 
dass ich von Stein, derweil Unglück und Schande Währen. Nichts 
seh'n, nichts hören ist mein einzig Glück; drum wecke mich nicht 
auf, 0 rede leise." Hastig vollendete er die Statuen der Kapelle, 
darunter auch jene sitzende Madonna mit dem Kinde, die denselben 
Eindruck düstrer Sohwermuth macht. So sehr brannte ihm der Boden 
von Florenz unter den Füssen, dass er auch dieses Werk in einigen 
Theilen unvollendet liess, um nur fort zu kommen. Seine Freunde 
fürchteten damals für das Leben des von Kummer und Arbeit aufge- 
riebenen Meisters, ja selbst Clemens VII. trug ihm in einem Breve 
vom 21. November 1531 auf, für seine Gesundheit zu sorgen, die dem 
Papste so sehr am Herzen liege. Er ging nach Rom und keine Bitten 
und Vorstellungen, keine ehrenvollen Einladungen und Anträge des 
Herzogs Cosimo vermochten ihn zu bestimmen, jemals in seine Vater- 
stadt zurückzukehren. Sein Schmerz über die Heimath, die ihm fortan 
Fremde sein sollte, spricht sich bitter in den Sonetten an Dante aus: 
„Du Stadt des Undanks! Amme, welche nähret 
Die eig'ne Schmach! Dass man die Besten endlich 
Am schlimmsten kränkt, das ist des Wahnsinns Zeichenf 
In Rom hatte Clemens VII. eine neue grosse Aufgabe für ihn: 
er sollte an der Altarwand der sixtinischen Kapelle das Jüngste Ge- 
richt, an der Eingangsseite den Fall Lucifers malen. Lange Zeit 
sträubte sich Michelangelo unter dem gewichtigen Grunde, endlich das 
Grabmal Julius II. zum Abschluss bringen zu müssen. Als dann am 
25. September 1534 der Papst starb, nahm sein Nachfolger Paul III. 
den Gedanken "auf und Wusste trotz alles Widerstrebens den Meister 
endlich" zu bestimmen, Hand an's Werk zu legen. Michelangelo be- 
endete zuerst jedoch das Grabmal, welches freilich weit abweichend 
von seinen ursprünglichen grossartigen Planen in der verkümmerten 
Form zu Stande kam, wie wir es jetzt sehen. Von eigenhändigen 
Arbeiten lieferte er dazu den Moses, sowie die kleineren Figuren der 
Rahel und Lea; alles Uebrige liess e1' auf eigne Kosten durch andre 
Bildhauer arbeiten. Er begrub damit die_ liochfliegenden Gedanken
        

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