Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271819
Älichelangelok. 
Mühsale 
hIediceerg-räber. 
119 
heldenmüthiger Anstrengung gegen das feindliche Geschick. Alle 
Mussezeit verwandte er trotzdem auf die Arbeit für das Grabmal, und 
wahrscheinlich verdanken sowohl der Moses wie die beiden Sclaven im 
Louvre dieser Zeit ihre Entstehung. In den Gefesselten, die sich 
schmerzvoll vergeblich gegen die Bande sträuben, klingt etwas von der 
Stimmung eines gefesselten Prometheus an , und in dem jähzornig um 
sich blickenden Moses mit dem lang herabwallenden Bart und der 
Geberde mühsam zurückgehaltenen Auffahrens ist nicht minder die 
Erregung des Künstlers selbst zum Ausdruck gekommen.  
Um diese Zeit erfüllte die Rivalität Rafaels _und Michelangelos 
die künstlerischen Kreise, und ganz Rom fühlte sich zu dem holden 
Genius hingezogen, der nur zu bald durch jähen Tod der Erde ent- 
rückt werden sollte. Michelangelo selbst mochte sich auf die Tafel- 
rnalerei nicht einlassen, aber er unterstützte Sebastiano del Piombo, 
einen geschickten Künstler der venezianischen Schule, der damals nach 
Rom kam, mit Zeichnungen und Entwürfen, welche dieser in Farben 
ausführte. So entstand 1519 die Auferweckung des Lazarus, die mit 
der Transtiguration Rafaels im Wettkampf um die Palme höchster 
Anerkennung rang, In demselben Jahre war fern in Frankreich Lionardo 
da Vinci gestorben; bald darauf (1520) folgte Rafael ihm nach. Mit 
diesen beiden Grossmeistern schliesst die Epoche der edelsten Hoch- 
renaissance ab und der milde anmuthvolle Geist, der bis dahin die 
Kiuist Italiens erfüllt hatte, erlischt. Michelangelo bleibt in einsamer 
Grösse zurück und folgt immer unaufhaltsamer den Inspirationen seiner 
schrankenlosen Silbjectivitiit. In diese Zeit fallt der Auftrag des Kar- 
dinals Giulio de' Medici, nachmals Papst Clemens VII., bei S. Lorenzo 
in Florenz eine Grabkapelle für die Familie Medici zu erbauen und 
darin die Grabmäler von Lorenzo und Giuliano de' Medici zu errichten. 
Im Jahre 1520 begann die Arbeit, die nach manchen Unterbrechungen 
erst 1534 zu Stande kam. Auch hier schlagt Michelangelo völlig neue 
Bahnen ein; die Architektur, welche früher bei solchen Denkmälern 
eine grosse Rolle gespielt hatte, wird zur blossen Unterlage und Ein- 
tassung der Plastik herabgesetzt, die mit ihren mächtigen Formen den 
Eindruck beherrscht. Auf den Sarkophagen ruhen die Gestalten je 
eines Mannes und eines Weibes, in denen man Tag und Nacht, Morgen- 
und Abenddämmerung zu erkennen hat. Die gewaltigen Formen und 
die kühnen Bewegungen sind nicht frei von übertreibendem Zwang; 
die Symbolik verräth, wie fast immer bei Michelangelo, einen Zug sub- 
jectiver Willkühr: dennoch ist der Eindruck von damonischcr Grösse,
        

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