Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271672
Decke 
Sixtina. 
indfluth. 
105 
Arche. Den Vordergrund füllt eine herrliche Gruppe von Jünglingen, 
welche das Opfer bereiten. Der eine kniet auf einem am Boden lie- 
genden Lamm und wendet sich zu einer Frau, um von ihr eine Opfer- 
schaale zu empfangen. Ein am Boden knieender Jüngling, der dem 
Beschauer den Rücken zukehrt, will offenbar Beistand leisten, während 
neben ihm ein andrer mit einem zweiten Widder herbeieilt, ein dritter 
auf der andern Seite Holzscheite heranträgt. Ist etwas in dieser Com- 
position minder genügend, so ist es die etwas zu kurze verkümmerte 
Gestalt des Patriarchen, die nicht bedeutend genug hervortritt. 
Die folgende Composition ist die grösste und figurenreichste der 
Reihenfolge. Sie schildert in einer Anzahl ergreifender Scenen die 
Sündfluth (Fig. 19). Vorn im Bilde ragt von der Linken eine vom 
Wasser noch nicht bedeckte Anhöhe empor. Auf diese hat sich eine 
Gruppe von Flüchtlingen gerettet, während andere mit dem Zeichen der 
Anstrengung und des Entsetzens die steile Höhe zu erklimmen suchen. 
Sie sind mit allerlei in der Hast zusammengerafftem Hausrath beladen, 
der Vorderste aber trägt sein Theuerstes auf dem Rücken und wirft 
einen halb zornigen, halb ängstlichen Blick auf Diejenigen, Welche hier 
Fuss gefasst haben, während die Frau auf seiner Schulter den ent- 
setzensvollen Blick auf die trostlosen Scenen rückwärts wendet. Eine 
der schönsten Gruppen ist eine junge Mutter, an welche sich ein kleiner 
Knabe angstvoll schmiegt, während sie das jüngste bergend an die 
Brust drückt. Daneben sieht man ein junges Paar, das sich liebevoll 
umschlungen hält und in die weite Wasserwüste nach Rettung hinaus 
späht. Neben ihnen ist ein Jüngling auf einen entlaubten Baum ge- 
klettert und sucht mit aller Anstrengung sich noch weiter emporzu- 
arbeiten. Ganz vorn liegt eine ältere verschleierte Frau, die von 
Ermattung überwältigt, stumm ihr Geschick erwartet. Noch gewahrt 
man einen älteren Mann hinter ihr und eine Mutter, welche ihr Kind 
auf den Rücken eines Maulthiers zu setzen scheint.  
Eine andere Gruppe von Unglücklichen hat an einem Felsenufer 
zur Rechten unter einem Baume, über welchen ein zeltartiges Tuch 
ausgebreitet ist, Zuflucht gefunden. Auch hier bemerkt man ausdrucks- 
volle Gestalten und Gruppen, die schönste ohne Zweifel jener bärtige 
Mann, der seinen von todtenähnlicher Ohnmacht befallenen Sohn aus 
den Fluthen an's Land trägt. Von ergreifender Wahrheit ist die 
schöne Jünglingsgestalt, deren Glieder schlaff und gelöst herabsinken, 
während der kräftige Körper des Mannes die volle Anspannung der 
Muskeln, und seine Züge den Ausdruck schmerzlicher Theilnahme ver-
        

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