Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271576
Buch. 
Kapitel. 
Buon arroti. 
Michelangelo 
wir eben so viele aus dem Leben Christi (sub gratia). Aber damit 
schloss dieser grossartige Cyclus noch nicht ab. Die Tapeten ltafaels, 
ehemals an den unteren Wandilächeil, knüpfen mit Darstellungen aus 
der Apostelgeschichte unmittelbar an. Sie schildern die Wunder- 
thaten der Apostelfürsten Petrus und Paulus und den Tod des ersten 
Märtyrers Stephanus, also Entstehung und Wirken der Kirche Christi, 
die Verbreitung seiner Lehre und die Besiegelung derselben durch das 
Martyrium der Blutzeugen. Die zu den Tapeten gehörigen Sockel- 
bilder endlich mit ihren Scenen aus dem Leben Leo's X. führten den 
gewaltigen Cyclus bis in die unmittelbare Gegenwart herab. Der ganze 
Kreis sollte aber durch zwei Kolossalbilder eingerahmt werden: an der 
Altarwand durch das jüngste Gericht, die ergreifende Darstellung der 
letzten Dinge, und gegenüber an der Eingangswand Lucifer's Em- 
pörung und Sturz, d. h. den Anfang der geschichtlichen Entwicklung 
durch das Auftreten des bösen Prinzips, dessen Kampf mit dem Guten 
die treibende Macht der Weltgeschichte geworden ist. 
Die Meister des fünfzehnten Jahrhunderts hatten in ihren Wand- 
bildcrn sich streng an den typologischen Zusammenhang gehalten. Das 
erste Bild links schildert Moses auf der Reise nach Aegypten mit seiner 
Frau Zipora, die auf Gottes Befehl ihren Sohn beschneidet. Gegenüber 
sieht man die Taufe Christi im Jordan. Das zweite Bild fasst mehrere 
Thaten Mosis vor seiner Entweichung aus Aegypten zusammen, nament- 
lich die Erscheinung Gottes im feurigen Dornbusch, die also dem ersten 
Bilde Vorauf gehen müssten. Dieser Anachronismus erklärt sich aus 
dem Gegenüber, wo Christus in der Wüste die Versuchung des Teufels 
abweist und den einzig wahren Gott bekennt. Zu Gunsten dieser 
wichtigeren Reihenfolge hat man also auf der anderen Seite die historische 
Crdnung umgekehrt. Im dritten Bild wird der Untergang Pharads 
im rothen Meer und die Errettung des auserwählten Volkes geschildert. 
Auf, dem entsprechenden Bilde der anderen Seite werden Petrus und 
Andreas von Christus auserlesen und zu seiner Nachfolge berufen. Das 
vierte Bild erzählt, wie Moses auf dem Sinai die Gesetzestafeln empfängt. 
Gegenüber die Bergpredigt Christi. Auf dem fünften Bilde sieht man 
den Untergang der Rotte Korah und die Vernichtung der Söhne Arons, 
weil sie unberufen geopfert hatten. Wird hier das priesterliche Amt 
durch Gottes Eingreifen geschützt, so beruft auf dem Bilde gegenüber 
Christus den Petrus zum Schlüsselamt. Auf dem letzten Bilde ist der 
Abschied Mosis vom Leben, gegenüber Christi Abschied von seinen 
Jüngern bei Einsetzung des Abendmahls geschildert. Die Eingangs-
        

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