Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271551
Buch, 
Kapitel. 
III. 
Michelangelo Buonarroti. 
begann mit jenen dem Eingang der Kapelle benachbarten Theilen der 
Decke, in welchen der kleinere Maassstab der Figuren und der grösserc 
Reichthum der Compositionen noch als ein Anklang an die frühere 
Kunstweise uns berühren. Mit der ganzen Energie seiner heldenhaften 
Natur warf er sich auf die Arbeit, die auch körperlich im höchsten 
Grade anstrengend und für die Augen fast vernichtend war. Dazu 
kam noch der Druck fortwahrender Geldnoth, da Julius II. in den 
Bedrangnissen seiner politischen Lage wenig an künstlerische Unter- 
nehmungen denken konnte. Im September 1510 hatte Michelangelo 
bereits die Hälfte des Werkes, d. h. die den eigentlichen Spiegel der 
Decke ausfüllenden Hauptbilder vollendet. Eine Unterbrechung machte 
dann die immer mehr gestiegene Geldnoth, die ihn sogar zwang, den 
Papst selbst zweimal in Bologna aufzusuchen. Als er dann im Januar 
1511 zurückgekehrt war, begann er die noch fehlenden Kappen- und 
Zwickelflachen der Schmal- und Langseiten auszumalen. Unter wieder- 
holten Bedrängnissen konnte er erst im Oktober 1512 das Ganze voll- 
enden, Die alte Üeberlieferung, dass er das ungeheure Werk in 
zwanzig Monaten ausgeführt habe, ist demnach zu berichtigen; gleich- 
wohl War es eine gigantische Arbeit, welche in so kurzer Frist nur 
eine heroische Kraft wie die seinige, noch dazu ohne alle Beihülfe, zu 
vollenden vermochte. 
Die sixtinische Kapelle, unter Sixtus IV. von einem unbe- 
kannten wahrscheinlich Horentinisehen Meister erbaut, bildet ein ein- 
faches gestrecktes Rechteck von etwa 120 Fuss Länge bei 40 Fuss 
Breite und 6G F uss Höhe. Eine Reihe einfacher Rundbogenfenster an 
jeder Langseite und an der Eingangsscite giebt dem Raum ein oberes 
Seitenlicht. Ein flaches Spiegelgewölbe, in welches von den Fenstern 
her Stichkappen einschneiden, bildet die Decke. Der an sich nüchterne 
Raum, Welcher aller weiteren architektonischen Gliederung und plasti- 
schen Dekoration entbehrt, konnte nur durch die Malerei höhere Be- 
deutung erhalten. Dies freilich sollte in einem llIaasse geschehen, wie 
kein anderer Raum auf Erden es je erfahren hat. Zunächst wurden 
noch unter Sixtus IV. die Wände mit jenen grossen Bildern geschmückt, 
bei welchen die berühmtesten toskanischen Meister zusammenwirkten. 
Wir haben dieser Bilder in den Lebensbeschreibungen von Botticelli, 
Rosselli, Ghirlandaio, Perugino und Signorelli schon gedacht. Ihnen 
sollte sich nun Michelangelo mit seinen Deckenbildern anschliessen. 
Unter Leo X. schuf endlich Rafael für den unteren Theil der Wände 
die Entwürfe zu den berühmten elf Teppichen, welche man zu Arras
        

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