Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271540
Aussöhnung 
und 
Zwist 
mit Julius 
sichern, schrieb er, dass es ein treiflicher Mann ist, in seiner Kunst 
der erste in Italien, vielleicht in der ganzen Welt. Wir können ihn 
nicht angelegentlich genug empfehlen. Mit freundlichen Worten und 
sanfter Begegnung kann man Alles von ihm erhalten. Man muss ihm 
nur Liebe und Wohlwollen zeigen und er wird Werke schaffen, die 
Jedermann in Erstaunen setzen." Julius II. hatte eben nach Unter- 
werfung Perugia's und Bol0gna's seine Residenz in letzterer Stadt auf- 
geschlagen. Dorthin begab sich nun Michelangelo und erlangte die 
Versöhnung mit dem rasch aufflammenden, aber eben so leicht zu 
begütigenden Papst. Sofort trug er dem Künstler auf, seine Erzstatue 
in kolossalem Maassstabe für die Facade von S. Petronio zu arbeiten. 
Michelangelo, der das Metall dazu und ausserdem tausend Dukaten 
erhielt, ging sogleich an die Ausführung des Thonmodells, welches über 
dreifache Lebensgrösse hatte. Sechzehn Monate gingen mit Herstellung 
des Modells und Ausführung des Gusses hin, der zum ersten Male 
misslang und dem Künstler viele Sorgen bereitete. Als später die 
Bentivogli zurückkehrten und die päpstliche Herrschaft gestürzt wurde, 
zerstörte das wüthende Volk das Denkmal seines Bezwingers. 
Nach Vollendung dieses Werkes kehrte Michelangelo nach Florenz 
zurück, um das Gemälde im Palazzo Vecchio -in Angriff zu nehmen. 
Bald jedoch wurde er durch den Papst nach Rom gefordert, wo er im 
Frühjahr 1508, ungefähr gleichzeitig mit Rafael, eintraf. Auch jetzt 
aber war nicht mehr die Rede von dem Grabmal; vielmehr suchte 
Bramante, der seinen Landsmann Rafael für die Ausmalung der Ge- 
mächer im Vatikan empfohlen hatte, den Papst zu bestimmen, Michel- 
angelo die Deoke der sixtinischen Kapelle zur Ausmalung anzuvertrauen, 
weil er hoffte, Michelangelo, bei seiner mangelnden Üebung in der 
Freskomalerei, werde an dieser Aufgabe scheitern. Vergebens war das 
Sträuben des Künstlers, vergebens sein Einwand, dass er in der Malerei 
wenig bewandert sei; der Papst setzte seinen Willen durch und am 
1. Mai 1508 erhielt Michelangelo als erste Ratenzahlung für seine 
Arbeit fünfhundert Dukaten. Die Schwierigkeiten für ihn waren un- 
gewöhnlich gross; um ihrer besser Herr zu werden, berief er mehrere 
in der Freskotechnik erfahrene Künstler aus Florenz, darunter seinen 
Freund Francesco Granacci und Ginliano Bugiardini. Allein da diese, 
an den herkömmlichen florentiner Stil. gewöhnt, auf seine grossartigen 
Formgedanken nicht einzugehen vermochten, schickte er sie bald zu- 
rück und liess das Angefangene herunter schlagen. Aber auch er 
selbst gelangte erst allmählig zu der vollen Grösse und Freiheit. Er
        

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