Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271533
Buch. 
Kapitel. 
Michelangelo Buonarroti. 
Grestalten als Personifikationen der durch den Papst eroberten Pro- 
vinzen und der durch seinen Tod in Trauer versunkenen Künste 
schmücken. Von diesen sind zwei herrliche, nackte Statuen Gefesselter 
in das Museum des Louvre gelangt. 
Das Grabmal 8011116 die Tragödie seines Lebens werden und 
vierzig Jahre lang sein Dasein mit Kummer und Sorgen vergiften. 
Denn während Michelangelo voll froher Zuversicht in Carrara thätig 
War, scheint Bramante aus Eifersucht gegen ihn beim Papst intriguirt 
zu haben, und wenn Michelangelo mit unfreundlichen: Neid sich der 
Grösse Lionardds entgegen gestellt hatte, so sollte ihn hier eine harte 
Vergeltung treffen. Bramante, so berichtet Condivi, Michelangelds 
Schüler und Biograph, wusste den Papst gegen die Idee des Grabmals 
einzunehmen, die er ihm als eine unheilverkündende schilderte. Ju- 
lius II., in leidenschaftlicher Erregbarkeit dem Künstler verwandt, war, 
als dieser nach Rom zurückkehrte, plötzlich wie umgewandelt, ja ge- 
radezu unnahbar für ihn geworden. Als die zweite Marmorsendung 
eintraf, vermochte Michelangelo das Geld für die Bezahlung nicht zu 
erhalten, und sah sich genöthigt, eine Summe dafür aufzunehmen. Als 
er endlich Auskunft zu erhalten, sich in den Vatikan begab und dort 
durch die Diener zurückgewiesen wurde, war das Maass seiner Geduld 
erschöpft. Zornig nach Hause stürmend, befiehlt er seinen Dienern 
seine Habseligkeiten zu verkaufen und ihm nach Florenz zu folgen, 
wirft sich auf's Pferd und jagt davon, bis er das florentiner Gebiet 
erreicht. Vergeblich suchten die schleimig ihm nachgesandten Boten 
des Papstes ihn zur Rückkehr zu bewegen, vergeblich drohte Julius II. 
mit seiner Ungnade. Michelangelo erklärte sich nach solcher Behand- 
lung aller Verpflichtungen ledig und setzte seine Reise nach Florenz 
fort. Während die Kunst und die Literatur in Italien immer höfischer 
wurden, war Michelangelo der letzte Vertreter jenes unabhängigen 
republikanischen Manuesmuthes, der die florentinische Kunst gross 
gemacht hatte.  
In der Heimath angekommen, war er weit entfernt, das Scheitern 
seiner Lieblingshoffnungen thatlos zu betrauern. Er nahm die Zuflucht 
zur Arbeit und begann wieder am Karton zu zeichnen. Da indess der 
Papst durch wiederholte Zuschriften an die Signoria seine Auslieferung 
verlangte, vermochte Soderini einem so gewaltthätigen Fürsten wie 
Julius II. nicht länger zu widerstehen; um aber Michelangelo sicher 
zustellen, schickte er ihn als ordentlichen Gesandten der Republik 
mit warmen Empfehlungen an seine Heiligkeit. „Wir können ver-
        

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