Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271517
Buch. 
Kapitel. 
Michelangelo 
Buonarroti 
bespülte, steile Felsufer von einem Gewimmel der überraschten Krieger 
in den verschiedensten Stadien der Vorbereitung bedeckt. Vorn zur 
Linken die Gruppe der Kletterer, d. h. einen jungen, nackten Krieger, 
der eben aus dem YVasser steigt und das Ufer zu erklimmen sucht, 
eine der meisterlichsten Figuren der Composition. Neben ihm biegt 
sich in kühner Verkürzung ein andrer über den Üferrand vor, um 
einem versinkenden Gefährten, der auf dem Stiche Marc Anton's die 
Handemporstreckt, aus den Fluthen zu helfen. Hinter ihnen sitzt ein 
älterer, halb angekleideter Krieger, der sich mitten im Anziehen unter- 
bricht, um lebhaft nach dem Feinde hinzuweisen, Während der Kletternde 
dieser Richtung mit dem Blicke folgt. Hinter diesem erblickt man 
einen jugendlichen Krieger, der bereits angekleidet ist, und nur noch, 
indem er den rechten Fuss auf eine felsige Erhöhung des Bodens setzt, 
mit beiden Armen bemüht ist, die Hose an der rechten Seite zu be- 
festigen, wieder eine der ausdrucksvollsten Figuren der Gruppe. 
Neben ihm ist ein Anderer beschäftigt, hastig mit dem linken Arm in 
sein Wams zu fahren, das er mit der Rechten über den Nacken zieht. 
Kehren wir nach dem Uferrande zurück, so erblicken wir vorn 
in der Mitte des Bildes einen eben den F luthen entstiegcnen Krieger, 
der sich auf die linke Hand stützt, und indem er sich vollends an's 
Üfer zu schwingen sucht, in markiger Bewegung das Muskelspiel des 
Körpers entfaltet. Neben ihm sitzt ein Anderer ziemlich lässig am Boden, 
während ein Dritter, vorsichtig mit den ausgebreiteten Armen balan- 
cirend, sich herabbeugt, um nach einem noch mit den Fluthen Käm- 
pfenden zu schauen, dessen Hände sich krampfig emporstrecken. Da- 
neben ist wieder ein älterer Krieger mit äusserster Anspannung bemüht, 
die enganschliessenden Hosen anzuziehen, während ein Jüngling neben 
ihm noch ziemlich unthätig am Boden liegt. In dem dichten Knäuel, 
der auf dieser Seite die Üomposition abschliesst, herrscht nicht minder 
die grösste Mannigfaltigkeit der Bewegungen, doch nicht die gleiche 
Klarheit der einzelnen Motive. Mit Recht daher hat man darauf hin- 
gewiesen, dass wir die Composition nicht in allen ihren Theilen für 
eine treue Nachbildung des Kartons halten dürfen; aber die Schönheit 
und Prägnanz der vorderen Gruppen ist hinreichend, um den grossen 
und allgemeinen Beifall zu begreifen, den das Originalwerk bei seiner 
Vollendung hervorrief. Denn so gross war die Begeisterung, dass die 
Kartons der beiden Nebenbuhler, besonders aber der des Michelangelo, 
für die heranwachsende Generation, darunter auch Rafael, Gegenstand 
eifrigen Studiums wurden.
        

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