Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271408
Lionardds 
Zeichnungen  
blosse parallele Diagonalstriche in unablässiger Wiederholung jede feinste 
Schwellung der Form mit dem zartesten Spiel des Lichts in vollendeter 
plastischer Rundung und mit unübertrefflichem malerischem Schmelz 
wiederzugeben weiss. Von ähnlicher Behandlung ist der schöne Jung- 
fraucnkopf in den Üffizien (Br. 435), das liebenswürdige Köpfchen im 
Louvre (Br. 168) und der etwas strengere weibliche Kopf in der 
Ambrosiana (Br. 33). Sodann in der Windsor-Sammlung der wunder- 
volle melancholisch angehlauchte Frauenkopf (Nr. 14) und nicht minder 
schön ebendort (Nr. 15) ein weiblicher Kopf, der zur Seite geneigt 
abwärts blickt, wie es Lionardo liebt. Mit derselben Meisterschaft 
weiss der Künstler in andern Fällen die Feder zu ähnlicher Wirkung 
zu benutzen, wie in dem köstlichen lockigen Jünglingskopf des Louvre 
(Br. 172). Diese Proben mögen statt vieler andern genügen. ' 
Nicht minder hat Lionardo auch die Erscheinungen des Lebens 
nach der Seite schärfster Charakteristik bis in's abschreckend Hässliche 
verfolgt, namentlich aber in Karikaturen, offenbar bloss aus der Phantasie, 
das Reich des Grotesken und Abenteuerlichen erschöpft. Auch hierbei 
ist indess in den Sammlungen eine Menge gefälschter Blätter aus dem 
Kataloge Lionardds zu tilgen. Immerbleibt noch genug des Aechten, 
aus welchem man dieselbe fast grillenhafte Systematik erkennt, mit der 
er z. B. in seinem Trattato sämmtliche menschliche Nasen auf neun 
oder zehn bestimmte Formen (Cap. 188-190) zurückführt. Dass er 
ausserdem zu wissenschaftlichen Zwecken unzählige Zeichnungen an- 
gefertigt hat, welche sich auf die Anatomie des Menschen, sowie 
diejenige des Pferdes, endlich auf mechanischeErfindungen aller Art 
beziehen, wurde schon erwähnt. 
Ünermesslich War der Einfluss, welchen der grosse Künstler bei 
seiner umfassenden und tiefen Bildung auf eine bedeutende Anzahl von 
Schülern ausübte. Von dieser Schule Lionardds wird später in einem 
besonderen Kapitel die Rede sein.    
L übk e , Italien. 
Malerei.
        

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