Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271397
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Buch. 
Kapitel. 
Lionardo 
Vinci. 
schiedenen Abstufungen ehrerbietigen Nahens und zögernder Scheu. 
Aehnliche Prägnanziin Schilderung jäher Bewegungen bei kühnsten 
Verkürzungen findet man auf zwei Blättern des Museums zu Dresden 
(Br. 46, 48). Andres derart im Louvre (Br. 1186). 
Weitaus die Mehrzahl dagegen sind Naturstudien, namentlich 
Frauen, Jungfrauen und Jünglinge, wie jene köstliche Federzeichnung 
des Louvre, vom süssesten Liebreiz, der in den früheren Werken naiv 
und unmittelbar, in den späteren von jenem bestimmten, von Lionardo 
ausgeprägten, fast stereotypen Lächeln begleitet ist. Wir mögen uns 
nicht versagen auf einige der schönsten Blätter hinzuweisen. Mehr- 
mals kommen sorgfältig durchgearbeitete Porträts vor, so jenes köst- 
liche weibliche Profilbild im Louvre (Br. 162) mit dem in breiter Masse 
über den Nacken herabfallenden, von einem Schleier bedeckten Haare. 
Die durchgeführte Punktirung der Umrisse bezeugt, dass wir den Karton 
eines ausgeführten Bildes vor uns haben: vielleicht das von Vasari 
hochgerühmte, jetzt verschollene Porträt der Ginevra Benci. Eine 
verkleinerte in Rothstift ausgeführte Wiederholung von grosser Feinheit 
befindet sich in den Üftizien (Br. 442). Wie ein Pendant zu diesem 
letzteren Bilde erscheint in derselben Sammlung (Br. 449) das durch 
die feinen Formen und die milde Gelassenheit des Ausdrucks anziehende 
Bildniss eines jungen Mannes mit langem, welligem Haar, das von 
einem Barett bedeckt wird. Eins der herrlichsten Bildnisse von wunderbar 
duftiger Behandlung in Rothstift ist in derselben Sammlung eine in 
dreiviertel Ansicht dargestellte junge Dame, um deren etwas breite 
sinnliche Formen ein fast spöttisches Lächeln spielt (Br. 434).  
Ueberaus gross ist die Zahl der Studienköpfe, in denen der 
Meister die weichen schwellenden Formen der Jugend, den energischen 
Ausdruck des gereiften Alters und den naiven Reiz der Kinderwelt 
mit gleicher Vollendung wiedergiebt. Um mit den letztern zu beginnen, 
erwähnen wir zunächst jenes schlichte mit wenigen Federstrichen cha- 
rakteristisch dargestellte Profilbild eines Knaben in der Ambrosiana 
(Br. 38), in welchem man die Natursturlie und zugleich den Karton 
für den Sohn des Moro, Massimiliano Sforza, auf Zenale's Madonnen- 
bild in der Brera (I. 490) erkennt. Man bemerkt auch hier die Punkte 
zur Üebertragung auf die Tafel. Eins der köstlichsten Kinderköpfchen 
hat der Künstler zweimal mit der grössten Liebe in wunderbarer Aus- 
führung dargestellt: genau im Proßl und dann im Halbprofil, wo das 
dicke Bäckchen den Mund vollständig verdeckt, im Louvre (Br. 16T, 
173). Aufs neue bewährt er hier jene Meisterschaft, welche durch
        

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