Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264666
Kapitel. 
Byzantinisch-Romanische 
Epoche. 
67 
Eine wichtige Ergänzung dieser sehr vereinzelten Anschauungen 
gewähren die Miniaturen der Zeit, namentlich gewisse Italien 
ausschliesslich eigenthümliche Malereien, welche man nach dem An- 
fangsworte deS darin Vefzßißhlleiell Hymnus „Exulteta nennt. Dieselben 
beziehen sich auf die heilige Nacht vor dem Osterfeste, in welcher die 
Auferstehung Christi und sein Hinabsteigen zur Unterwelt, also sein 
Sieg über Tod und Teufel gefeiert wurde. Der Text des dazu ge- 
hörigen Hymnus, der mit den Worten beginnt: „Exu1tet turba ange- 
loruma, wurde auf einen langen Pergamentstreifen geschrieben, welchen 
der fungirende Geistliche vor Augen hatte, während das dazu gehörige 
Bild zur Erbauung für die Gemeinde über die Brüstung der Kanzel 
herabhing. Ueberaus mannigfaltig ist der Gedankenkreis in diesen 
Bildern, welche das Leiden Christi und vor Allem seine Erlösungsthat 
im Zusammenhange mit dem Sündenfalle als den Grundgedanken 
christlicher I-Ieilslehre schildern. Den Mittelpunkt der kirchlichen Feier 
bildet aber die Weihe der Osterkerze, und dies gab nun den Künstlern 
Veranlassung, eine Reihe von Bildern dem Leben der Bienen und der 
Gewinnung und Bereitung des Waohses zu widmen. (Fig. 2G.) Diese 
merkwürdigen Denkmals, die noch in mehreren Exemplaren, namentlich 
im Kloster Sta. Maria sopra Minerva und im Palazzo Bar- 
berini zu Rom, ebenso in der Opera del Duomo zu Pisa und im 
Dom zu Salerno sich finden, zeigen besonders deutlich einerseits 
das Nachwirken antiker Auffassung, wie denn die Erde personificirt 
wird als nackte Frau, an deren Brüsten ein Rind und eine Schlange 
saugen, andrerseits den Uebergang zu neuen frischen Anschauungen, 
die in sinniger Weise bei der Schilderung des Lebens der Bienen von 
einem neu erwachten Naturgefühl Zeugniss ablegen. Ein gesteigertes 
Bedürfniss nach Schmuck verräth sich auch in den zierlichen Flecht- 
werken, Welche die einzelnen Darstellungen und den Text umrahmen, 
und in den verschlungenen Ranken und Bändern der Initialen. In 
letzteren kündigt sich der Einfluss nordischer Kunst an, wie er seit 
der Iiarolingei-zeit in den Miniaturen vorkommt. 
Im Uebrigen ist die Miniaturmalerei der Epoche in Italien keines- 
Wegs so glänzend gepflegt wie in Deutschland. Dieser anmuthige 
Kunstzweig gedeiht nur da WO ein wissenschaftliches Leben blüht, wo 
die Klöster, die Bischöfe, die weltlichen Fürsten wetteifern im Besitz 
kostbarer reichgeschmückter Manuscripte. In Italien dagegen gab es 
keine Wissenschaft, keine höhere Pflege der Literatur und Kunst, und 
dem entspricht auch der Zustand der wenigen Miniaturen dieser Epoche.
        

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