Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264639
Buch. 
Das Mittelalter. 
darüber spotten durften, indem sie sagten: „In Rom giebt es fast 
Niemand, der die WVissenschaften gelernt hat, ohne welche doch, wie 
geschrieben steht, kaum Jemand zum Pförtner befähigt sein soll; mit 
welcher Stirn will nun der von Dingen lehren, der sie gar nicht gelernt 
hat. Vollends beim Bischof Roms kann die Unwissenheit nicht geduldet 
werden, da er über Glauben, Lebenswandel und Disciplin der Geist- 
lichkeit, kurz über die ganze katholische Kirche zu richten hat." Mit 
naiver Selbstzufriedenheit vertheidigte darauf die römische Kurie sich 
folgender Hassen: „Die Stellvertreter Petri wollen weder Plato noch 
Virgil, noch Terenz noch das übrige Philosophenvieh zum Lehrer haben. 
Und desshalb wenn diejenigen, welche mit solchen Poesien nicht ge- 
mästet sind, nicht einmal den Rang eines Pförtners bekleiden dürften, 
so sagen wir, auch diese Behauptung ist eine Lüge, denn Petrus wusste 
nichts von solchen Dingen und wurde doch zum Pförtner des Himmels 
bestellt. Ünd von Weltbeginn an hat Gott nicht die Redner und 
Philosophen, sondern die Ungelehrten und Üngebildeten auserwähltß 
Wohl suchte der gewaltige und gewaltthittige Gregor VIL, der das 
System der päpstlichen Allmacht zur Vollendung führte, die sittliche 
und geistige Verkommenheit des Klerus zu heben: aber einen Sinn 
für die künstlerische Gestaltung vermag man nirgends bei ihm zu ent- 
decken, ja er liess es zu, dass die wilden Schaaren des ihm verbün- 
deten Robert Guiscard das christliche Rom mit einer Furchtbarkeit 
durch Brand und Zerstörung heimsuchtenl, wie die ewige Stadt sie 
seit der neronischen Zeit nicht mehr gesehen. 
Auch in den plastischen Künsten verrath sich überall dieselbe 
Rohheit. Man braucht nur an das Erzportal von S. Zeno zu Verona 
zu erinnern, das mit seinen verkrüppelten Figuren, den unförmlichen 
Köpfen mit Glotzaugen, dem abschreekenden Ausdruck und der unge- 
fügen Plumpheit der Körper wohl das Aeusserste von Barbarei be- 
zeichnet. Wollte man bessere Arbeiten haben, so musste man sich 
auch hierfür nach Byzanz wenden. Dort aber war die Reliefbildnerei 
mit der ganzen freien Plastik ausser Uebung gekommen, und so wurden 
die Bronzethüren von S. Paolo in Rom und von den Domen zu Amalfi, 
Salerno und mehreren andern süditalischen Kirchen sowie von S. Marco 
in Venedig zu Byzanz in der dort heimischen Niellotechnik mit ein- 
gelegter Silberzeichnung ausgeführt. 
Den besten Einblick in das künstlerische Leben der Zeit gewinnt 
man aus der Chronik des Leo von Ostia, welcher darin ausführlich 
den Neubau des Klosters von Monte Cassino durch seinen Lehrer, den
        

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