Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264622
Kapitel. 
Byzantinisch-Rornanische 
Epoche. 
63 
einander entbrannt waren. Aus diesem Chaos feudaler Zustände ringt 
sich aber immer mächtiger die Bedeutung einzelner grosser Städte 
empor, die von den Kaisern Privilegien erhielten, ihre alte Municipal- 
Verfassung mit kräftiger Hand neu gestalteten und durch Handel und 
Gewerbe aufblühten: Vor Allem Venedig, durch seine glückliche Meeres- 
lage und seine Verbindung mit dem Orient früh zu Reichthum gelangt; 
dann Amalü, Pisa und Genua. Von diesen mächtigen Städten eenten 
die ersten Regungen zur Neugestaltung der Kunst ausgehen; aber auch 
Jetzt blieb dabei der byzantinische Eintiuss maassgebend. Am meisten 
in Venedig, wo die etwa seit dem Anfang des 11. Jahrhunderts 
prachtvoll erneuerte Markuskirche sogar den byzantinischen OentraL 
und Kuppelbau aufnimmt. Im weiteren Verlauf des 11. Jahrhun- 
(lerts erbaute dann Pisa seinen wundervollen Marmordom, zwar als 
fünfschiftige Säulenbasilika, aber doch mit einer Kuppel auf der Vierung. 
Noch entschiedener tritt diese byzantinische Tendenz im Dom zu An- 
cona auf, der auch die Centralanlage wieder kräftiger betont. Daneben 
dringen vom Norden Einiiüssc der dortigen Architektur ein, und zwar 
namentlich der deutschen, die sich besonders in der Ornamentik mit 
dem Gepräge germanischer Phantastik geltend machen. S. Zeno in 
Verona, S. Ambrogio in Mailand, S. Michele in Pavia bezeugen deutlich 
diesen Einfluss, der sich bis dicht an die Schwelle des Kirchenstaates, 
bis nach Sta. Maria in Toscanella erstreckt. Nur Rom selbst, von 
inneren Parteiungen und wüthenden Fehden mehr zeriieischt als irgend 
eine andre Stadt, bewegt sich unausgesetzt immer noch in den aus- 
getretenen Geleisen der altchristlichen Kunst und wiederholt in den 
damals entstandenen Kirchen stets von Neuem die Form der Basilika, 
ohne ihr irgend ein neues Moment der Entwicklung einzufügen. Nur 
dass Alles in geringeren Dimensionen und dürftigerer Ausführung er- 
scheint, wobei immer noch die antiken Denkmäler geplündert und die 
Reste ihrer Säulen, Architrave und Friese stets willkürlicher und roher 
verwendet werden. Die Rohheit dieser Architektur findet vielleicht 
ihre Erklärung an der allgemeinen geistlichen und sittlichen Barbarei 
des damaligen Rom, denn während in Frankreich, und mehr noch in 
Deutschland in den Klöstern die Wissenschaften, so weit in der da- 
maligen Zeit überhaupt davon die Rede sein konnte, blühten, tleissige 
Klosterbrüder unablässig" die antiken Klassiker studirten und durch 
Abschriften verbreiteten, und die Nonne Roswitha in Gandersheim 
lateinische Schauspiele schrieb, war in ganz Italien, besonders aber in 
Rom die Unwissenheit so gross, dass die Bischöfe Frankreichs öffentlich
        

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