Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264515
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Buch. 
Das 
Mittelalter. 
bei aller Rohhcit der Ausführung wieder von dem Streben nach höchster 
Pracht. An der Querschiffwand sieht man in der Mitte in einem Me- 
daillon das Lamm mit dem Kreuz auf dem Altare liegend, daneben 
die sieben Leuchter, vier anbetende Engel und die Evangelistenzeichen, 
darunter in drei Reihen geordnet die vierundzwanzig Aeltesten, sehr  
steif und monoton, dies Alles auf Goldgrund. Eigenthümlicher sind die 
Darstellungen des vorderen Triumphbogens. Oben zeigt sich auf blauem 
Grunde das himmlische Jerusalem, darin Christus mit Heiligen und 
Engeln in weissen Gewändern und goldnen Kronen thront, während 
die Pforten vonEngeln bewacht werden. Andre Engel führen beider- 
seits Schaaren von Gläubigen zur Seligkeit heran. In der unteren 
Abtheilung sieht man auf Goldgrund weitere Chöre von Auserwählten 
mit Palmzweigen in den Händen. Noch prachtvoller ist die Ausstat- 
tung der im rechten Seitenschiff angebrachten Cappella Colonna, die 
angeblich die Geisselungssäule Christi bewahrt. Der kleine Bau ist 
von aussen und innen ganz mit Mosaiken auf Goldgrund bekleidet. 
Besonders ansprechend ist das uns schon von Ravenna her bekannte 
Motiv der vier Engel in den Ecken des Kreuzgewölbes, welche das 
im Scheitel des Bogens angebrachte Medaillen mit dem Brustbilde 
Christi empor halten. Die wunderbare Pracht dieser Kapelle hat ihr 
im Munde des Volkes den Namen des Paradiesgärtleins (Orte del 
paradiso) verschafft. 
Der zweite dieser musivischen Cyclen befindet sich in Sta. Ce- 
eilia in Trastevere. Auch hier ist das Hauptbild von S. Cosma e 
Damiano einfach wiederholt, aber über dem Bogenfelde erscheint dies- 
mal bereits die Madonna mit dem Kinde, von Engeln und fünf ge- 
krönten Frauen verehrt. Vollends in dem dritten dieser Cyclen in 
Sta. Maria in domnica oder der Navicella muss Christus völlig 
den Platz an die Madonna abtreten, die hier in kolossaler Grösse mitten 
in der Apsis thront, von Engelschaaren verehrt, zu ihren Füssen knieend 
die winzige Figur des päpstlichen Stifters. Christus dagegen muss sich 
gefallen lassen, am Fries in kleinem Maassstab zwischen zwei Engeln 
und den Aposteln Platz zu nehmen. Noch prägnanter wird die Ten- 
denz dieser Darstellung durch die beiden Propheten zu den Seiten der 
Nische, welche auf die Jungfrau bedeutsam hinweisen. Die äusserste 
Stufe des Verfalles zeigt dann das Mosaik in der Apsis von San 
Marco, unter Gregor IV. (827-844) gestiftet. Hier ist zwar eben- 
falls im Wesentlichen eine Nachbildung von S, Cosma e Damiano, 
aber der letzte Rest von Lebensgefühl ist_soweit geschwunden, dass
        

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