Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264462
I. Kapitel. 
Epoche. 
Altchristliche 
Streben nach prachtvoller Ausstattung der Basiliken Hand in Hand. 
Honorius I. beschafft nach allen Beraubungen der stürmischen Zeiten 
eine neue glänzende Ausschmückung der Peterskirche mit verschwende- 
rischer Anwendung von Edelmetallen und Allem was es Kostbares gab. 
Das Dach erhielt damals vergoldete Ziegel, die man dem Tempel der 
Venus und Roma entnahm. Auch andreBasiliken wurden mit ahn- 
lichem Reichthum ausgestattet. Besonders eifrig pflegte dann Gregor III. 
(seit 731) die Künste, Wobei die durch die Bilderstürmer aus dem 
Orient vertriebenen zahlreichen griechischen Künstler (726) ihm zu 
Statten kamen. Man kann sich lebhaft das Staunen der frommen Pilger- 
schaaren vorstellen, die immer mehr aus den halbbarbarischen nörd- 
lichen Ländern, aus Gallien, Anglien und Germanien nach Rom strömten, 
wenn sie die unerhörte Pracht der römischen Kirchen mit der Einfach- 
heit ihrer eigenen verglichen. Rom verstand sich schon damals sehr 
gut darauf, die Gemüther naiver, gläubig ergebener Anhänger mit dem 
Zauber seiner Grösse und seines Glanzes zu umstricken. 
Halten wir rasche Umschau unter den Werken dieser Spatepoche, 
in welche die altchristliche Kunst ausläuft, so finden wir weder in 
den Compositionen und Grundgedanken Neues, noch in der technischen 
Ausführung besonders Erfreuliches. Vor Allem mischt sich ein gram- 
liches greisenhaftes Wesen durch den Einfluss des Byzantinismus in 
die Auffassung der Gestalten, die, durch keine neuen Gedanken er- 
weitert, in den festgesetzten Kreisen erstarren. Inder technischen 
Ausführung gehen die feineren Üebergange durch vermittelnde Halb- 
töne immer mehr verloren und man sieht deutlich, dass die Künstler 
nur noch für eine Hierarchie arbeiten, der es auf feinere Wirkung 
nicht ankommt, die vielmehr durch grob materielle Pracht den Sinn 
einer roher gewordenen Zeit bestechen will. Daher auch die Häufung 
des Goldgrundes und die Vorliebe für byzantinische Prunkgewänder, 
die, mit Perlen und Edelsteinen überladen, sich weit von der feierlichen 
Einfachheit und dem edel-freien Faltenwurf der antiken Toga ent- 
fernen. Aber die dekorative Wirkung dieser Werke ist immer noch 
eine grosse; besonders in den einfassenden Bändern und Friesen mit 
ihren Füllhörnern, 'Blumenranken, Fruchtgewinden Waltet 8111 starker 
Nachklang antiker Schönheit, der sich bis tief in's 13. Jahrhundert 
erhäh, Für die Tendenz der damaligen römischen Kunst 1st es be- 
zeighnend, dass Christus nunmehr meistens auf der Weltkugel thronend, 
von einem I-Iofstaat der Apostel und Heiligen umgeben dargestellt 
wird; sicherlich nicht ohne bedeutsame Beziehung auf die römischen 
Lübke, Italien. Malerei. I. 4
        

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