Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264459
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Buch. 
Mittelalter. 
Das 
Nachbeten der byzantinischen Formen giebt sich fortan zu erkennen. 
Ünd damit hängt denn das letzte Ausklingen der Antike innig zu-' 
sammen. Noch im 6. Jahrhundert wurde im Forum Trajans der Virgil 
öffentlich vorgelesen, und gelegentlich machte sich die Nachwirkung 
antiker Anschauung stark genug geltend. So trug der Subdiakonus 
Arator (544) in S. Pietro ad Vincula sein Gedicht auf die Apostel- 
fürsten vor, in welchem der Olymp die Stelle des christlichen Himmels 
einnimmt, Gottvater als Jupiter Tonans auftritt. Ebenso mischt noch 
der heilige Columban in seinem Gedicht an Fedolius Christus mit Pyg- 
malion, Danae, Hektor und Achill. Aber Gregor der Grosse (590 bis 
604), der Begründer der päpstlichen Macht, verbietet den Geistlichen 
die Lektüre der alten Klassiker und versetzt damit den letzten Ein- 
iiüssen des Alterthums den Todesstoss. So bringt denn der Ausgang 
des G. Jahrhunderts den völligen Zusammensturz der antiken Welt mit 
ihrer Killtur, und das barbarische Latein in den Briefen Papst Ste- 
phans H. an Pipin bezeugt deutlich genug diesen Verfall. 
Unddoch war dieser Auflösungsprozess ein nothwendiger, wenn 
endlich Raum. für neue Gestaltungen gewonnen werden, wenn das 
Christenthum zu einem selbsteigenen Ausdruck seiner neuen Gedanken, 
seines völlig umgeformten Lebensinhalts gelangen sollte. Und für 
diese Wandlungen Waren die Zustande Roms geradezu providentiell 
angelegt. Denn in den Erschütterungen, unter Welchen die Macht der 
Gothen zusammenbrach und die Herrschaft der Longobarden Italien 
unterjochte, ward Rom durch die Verwaltung einsichtsvoller und ener- 
gischer Päpste, vor Allem Gregors des Grossen, zu einem neuen 
Mittelpunkte der Kultur, zu einem Hort des Friedens. Leise und 
unvermerkt wuchs Ansehen und Einliuss des päpstlichen Hofes, der 
in den WVirren und Kriegshandeln der Zeit bereits von den mächtigsten 
Höfen als ebenbürtige politische Macht anerkannt wurde. Als nun 
vollends auch nach aussen dieser päpstliche Einfluss immer mehr wuchs, 
als nicht bloss die Franken (seit 496) und ein Jahrhundert später die 
Angelsachsen (597) der römischen Kirche gewonnen wurden, als es 
gelang, die Westgothen in Spanien vom Arianismus zur katholischen 
Lehre herüber zu ziehen (586), und endlich sogar "die wilden Longo- 
barden durch ihre katholische Königin Theodolinde allmählich sich der 
römischen Kirche fügten, da strömten den Päpsten durch die ver- 
mehrten Einkünfte, die Gaben der Pilger, die sich immer mehr haufen- 
den frommen Stiftungen reichliche Mittel zu, den Glanz ihrer Kirche 
vor allen Völkern zu erhöhen. Eine neue Bauthätigkeit geht mit dem
        

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