Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264333
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Buch. 
Nlittelalter. 
Das 
standen Sein, welches am mittleren Gewölbe zwischen den reichen 
Stuckdekorationen des sechzehnten Jahrhunderts erhalten ist. Es kehrt 
noch einmal zur reinen symbolischen Auffassung zurück und giebt in 
der Mitte das Lamm unter schönen Blumenranken, dazwischen Tauben 
und Pfauen auf Goldgrund. 
Damit schliesst die Reihe der Mosaiken des fünften Jahrhunderts. 
Die ewige Stadt erliegtihrem Verhängniss. Im Jahre 472 erlebt sie 
eine neue Eroberung und Plünderung durch Ricimer und vier Jahre 
darauf macht Odoaker dem weströmischen Reich ein Ende. Nach all 
diesen Katastrophen muss man sich mit Recht wundern, in der ersten 
Hälfte des sechsten Jahrhunderts noch ein so bedeutendes Werk wie 
das grossartige Mosaik in der kleinen Kirche S. Cosma e Damiano 
am Forum zu finden. (Fig. 12.) Unter Papst Felix IV. (bis 530) aus- 
geführt, bewahrt die Kirche von ihrer ursprünglichen Ausstattung noch 
ziemlich unversehrt die Mosaiken der Apsis und des Triumphbogens. 
In der Apsis sieht man auf blauem Grunde die feierliche Gestalt Christi, 
auf buntfarbigcn goldgeränderten Wolken stehend, noch ganz in antiker 
Auffassung. Ueber die linke Hand, welche die Schriftrolle hält, ist 
der Mantel empor gezogen und fällt in langen Falten herab, während 
die Rechte in imponirender Gebärde nach Art römischer Rednerstatuen 
ausgestreckt ist. Auf jeder Seite sind beträchtlich tiefer drei Männer- 
gcstalten in freier und lebendiger Bewegung angebracht, dominirend 
überragt von der Gestalt Christi. Zunächst zwei mächtige Greise in 
weisser Toga, Petrus und Paulus, welche die Heiligen Cosmas und 
Damianus, die mit Kronen in den Händen nahen, zum Heiland heran 
zu führen scheinen, indem sie mit der Hand sie an der Schulter fassen. 
Hinter ihnen folgt einerseits der h. Theodorus in reich gewirktem 
byzantinischem Mantel, ebenfalls eine Krone in Händen tragend, andrer- 
seits der Stifter Papst Felix mit dem Modell der Kirche. Eine Palme 
bildet jederseits die Einfassung. Das Erdreich ist durch kleine Blumen 
und Steine bezeichnet und zeigt zu Christi Füssen den Jordan. Dar- 
unter schliesst ein Fries mit dem Lamm inmitten der zwölf andern 
Lämmer die Darstellung ab, begrenzt von zwei Städten, Bethlehem 
'und Jerusalem. Christus und das ihn symbolisirende Lamm haben 
allein die Auszeichnung des Nimbus. Die ganze Darstellung athmet 
in Gewändern, Bewegungen, Charakteren noch den Geist der -Antike; 
nur das bunte Gewand des h. Theodorus und die Vorliebe für greisen- 
hafte faltenreiche Köpfe deuten auf byzantinischen Einfluss. Doch steht 
der Ausdruck Christi hoch über dem Brustbild des Erlösers in S. Paolo.
        

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