Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270031
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Buch. 
Die Frührenaissance. 
Jahr 1476 in der Sammlung Trivulzio in Mailand; von höchster 
Feinheit sodann das kleine Brustbild eines jüngeren Mannes im Museum 
zu Berlin, welches man wegen der undeutlichen, etwas verputzten 
lnschrift dem Jahr 1445 zuweisen wollte, während es wahrscheinlich 
vom Jahr 1478 datirt, ein kleines Bildchen von bewunderungswürdiger 
Zartheit der Durchführung, von tief bräunlichem Ton mit silbergrauen 
Schatten im Fleisch. Wir nennen ausserdem noch ein männliches 
Porträt in Casa Giovanelli zu Venedig und ein anderes in der Galerie 
Corsini zu Florenz, da manches in öffentlichen und Privat-Galerien 
mit Unrecht ihm zugeschrieben wird. 
Während der bedeutendste Künstler des Südens seinen Wirkungs- 
kreis fern von der Heimath suchte und fand, war eine Anzahl meist 
geringerer Maler in Neapel thätig, über welche jedoch der beschränkte 
Lokalpatriotismus ein Gewebe von Märchen verbreitet hat, das zu 
durchdringen und zu entwirren grosse Schwierigkeit bietet. INamentlicli 
gilt dies von dem angeblichen Haupt der neapolitanischen Schule, 
zhztonio Solario, der wie sein Beiname Z0 Zingaro anzeigt, ursprünglich 
ein Schmied gewesen und aus Liebe zur Tochter des Colantonio del Fiore 
Maler geworden sein soll. Man sieht, dass nicht blos der künstlerische 
Stil und die Kunstwerke, sondern auch die Künstlerlegenden aus Flan- 
dcrn geholt wurden, denn iohne Zweifel liegt hier eine Nachbildung 
der bekannten Anekdote von Quintin Matsys vor. Wären die Lokal- 
sehriftsteller nur nicht so unvorsichtig gewesen, ihrem Zingaro die 
Lebenszeit von 1382 bis 1445 zuzuschreiben! denn entweder hat er 
viel später gelebt, da die ihm beigelegten Werke den Stil der Spat- 
zeit des Jahrhunderts verrathen  oder es gibt gar keine Arbeiten von 
ihm und dann ist seine ganze Existenz problematisch. Dazu kommt, 
dass die ihm zugeschriebenen Werke von sehr verschiedener stilistischer 
Beschaffenheit sind. Das bedeutendste unter denselben ist ein Cyclus 
von nicht weniger als zwanzig grossen Fresken aus der Legende des 
h. Benediet im Klosterhof von S. Severino. Obwohl diese Werke 
durch rohe Ueberarbeitung stark gelitten haben, erkennt man in ihnen 
immerxnoch eine der liebenswürdigsten Schöpfungen aus der Spatzcit 
des Jahrhunderts, den gleichzeitigen umbro-florentinischen Arbeiten 
verwandt. Das Leben des Heiligen wird in ruhig idyllischer Weise 
etwa nach Art Pinturicehids geschildert; es herrscht ein milder ge- 
lassener Ausdruck vor, die figürlichen Scenen sind meistens einfach 
und Selbst hie und. da dürftig, und es fehlt die energische Lebendig- 
keit der Florentiner; aber durch köstliche landschaftliche Gründe von
        

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