Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269924
Kapitel. 
Venedig. 
Schule 
553 
erscheinen. Eins der schönsten Werke dieser Art von duftiger Weich- 
heit und zart verschmolzener Modellirung der rundlichen Formen ist 
die Madonna der Nationalgalerie zu London, welche das auf ihrem 
Schoosse schlafende Kind anbetet. Der Ausdruck glückseliger Frömmig- 
keit in der Madonna, die zauberische Lieblichkeit des schlummernden 
Kindes, die friedliche lldylle des landschaftlichen Hintergrundes, in 
welchem man Hirten mit ihren Herden und andere kleine Figürchen 
erblickt, während eine thürmereiche Burg den nahen Hügel krönt und 
ferne Schneegebirge den Horizont begrenzen, macht aus diesem köst- 
lichen Bild eine Perle venezianischer Kunst. Ein Christuskopf von 
1517, wiederum mit dem Namen des Künstlers bezeichnet, in der 
Galerie zu Bergamo verräth in dem bleichen Kolorit, dass das Bild 
nicht unberührt geblieben ist. Auch ein männliches Brustbild derselben 
Sammlung hat durch Restauration gelitten. Zu den tiichtigeren Werken 
dieser späteren Zeit gehört das grosse Bild der Himmelfahrt Mariä, in 
S. Pietro auf Murano, durch starke Anlehnung an Giovanni Bellini 
und schöne Landschaft bemerkenswerth. Ein recht gutes, in feinem 
Silberton durchgeführtes Bild der Madonna besitzt die Galerie zu 
Stuttgart unter dem Namen Giovanni Bellinfs (Nr. 69), ein anderes 
ebendort unter Nr. 77 ist für Basaiti zu schwach und ein drittes 
(Nr. 134) in so üblem Zustande, dass es sich der Beurtheilung ent- 
zieht. Die letzten Arbeiten des Künstlers, der h. Georg zu Pferde 
und der thronende Petrus zwischen vier Heiligen, beide in S. Pietro 
di Castello zu Venedig, tragen die Jahrzahl 1520. Namentlich das 
erstere verräth wiederum starke Anlehnung an Carpaccio. 
Ein ähnliches Schwanken zwischen den Einflüssen der bedeuten- 
deren Meister, namentlich Bellinfs, Cimafs und Carpaccids, verräth 
Andrea Previtalz", der sich auch Cordelleagi nennt oder schlechtweg als 
Bergamaske sich "Andreas Bergomensis" bezeichnet. Auf verschie- 
denen seiner Bilder nennt er sich einen Schüler Giovanni Bellinfs, und 
es ist kein Zweifel, dass er bei diesem seine Lehrzeit durchgemacht 
hat, ehe er sich um 1515 in Bergamo niederliess. Dort haben dann 
auch Einflüsse Lotto's ihn gestreift und selbst die weiche Kunst Palma's 
ist nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Sein frühestes nachweis- 
bares Werk von 1502, eine Madonna mit dem Kinde und einem 
knieenden Stifter, befindet sich in der Sammlung Cavalli zu Padua; 
dann folgt eine Reihe von Arbeiten, die nicht immer mit Bestimmtheit 
auf ihn zurückgeführt werden können, weil sie meistens unter Giovanni 
Bellini's Namen gehen. Ohne Frage hat damals Previtali in der
        

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