Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269902
IX. Kapitel. 
Die 
VOTI 
Schule 
Venedig. 
551 
modernsten Realismus völlig in's Genrehafte übersetzt, und die beiden 
Fischer sowie die den Heiland begleitenden Apostel Petrus und An- 
dreas sind jeglicher traditionell historischen Auffassung entkleidet, als 
gewöhnliche venezianische Marinari jener Zeit charakterisirt. Ünd 
zwar zeigt der Künstler hier eine lebendige Frische in der Auffassung 
des niederen Lebens, die ohne Frage dem Einfluss des Carpaccio an- 
zurechnen ist. Das Genrehafte wird dadurch noch gesteigert, dass ein 
Fischerknabe im Vordergrunde sich von seiner Angel wendet und dem 
Vorgang zuschaut und dass sämmtliche Figuren im kleinen Maassstabe 
nur als Staffage für eine überaus anmuthige Gebirgslandschaft dienen. 
Die zierliche Feinheit der Ausführung erinnert an Handrische Meister. 
Dieselbe Composition hat der Künstler noch einmal 1515, nur umge- 
kehrt, wiederholt (Fig. 158) und das Bild mit einem antiken Portal- 
bogen eingefasst, an dessen Säulen, zum Theil in wunderlicher Ver- 
renkung, zwei nackte Männerfiguren sich anklammern, die in nicht 
sehr geschmackvoller Weise von dem Studium des Nackten Zeugniss 
ablegen sollen. Das interessante Bild befindet sich im Belvedere zu 
Wien. Um dabei so recht den Gegensatz historischer und genrehafter 
Darstellung zu empfinden, vergleiche man Ghirlandajds und Peruginds 
Fresken aus der Sixtinischen Kapelle Fig. 104 und 128. 
Wir verzeichnen ferner eine das Kind anbetende Madonna in der 
Galerie zu Padua, eine Darstellung des Ecce homo in der Ambrosiana 
zu Mailand und einen h. Sebastian mit schöner Landschaft in der 
Sakristei der Salute zu Venedig, der sich in Wiederholungen in der 
Galerie Doria zu Rom und im Museum zu Berlin nachweisen lässt. 
In der Bewegung etwas befangen, zeichnet er sich durch warme Fär- 
bung und weiche Verschmolzenheit der Töne aus. Fein und duftig 
ist auch im Museum zu Berlin eine Altartafel in vier Abtheilungen 
mit der thronenden Madonna zwischen der h. Anna und Veronica, in 
der unteren Abtheilung Johannes d. T. zwischen Hieronymus und 
Franziskus. Die in einem kühlen Ton durchgeführten Gestalten heben 
sich frei von der Luft ab, während der Hintergrund eineLandschaft 
bildet. Mehrmals hat der Künstler den h. Hieronymus dargestellt; 
eines dieser Bilder sieht man in der Akademie zu Venedig, ein an- 
deres in der Nationalgalerie zu London, auch hier wiederum der 
Heilige nur Staffage in einer miniaturartig ausgeführten Landschaft, 
deren reiche Felsformation auf's Neue beweist, dass die Landschaften 
Cima's auf Basaiti eingewirkt haben. 
In den späteren Werken des Künstlers tritt ein völliger Um-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.